Die perfekte Länge

Während es vielen nach einer ordentlichen Größe und einem möglichst ausgedehnten Ritt verlangt, sind andere mit weniger zufrieden. Ihnen reicht ein durch und durch befriedigendes Erlebnis, unabhängig vom Umfang und einzig auf den Moment fokussiert.

Dass es bei Videospielen nicht die perfekte Länge, den perfekten Umfang gibt, scheint obligatorisch, ist und spielt doch jeder Jeck anders und hat andere Bedürfnisse. Dennoch zeigen sich Fans und Kritiker immer wieder empört, sobald sich herausstellt, dass Spiel XY nur magere 6 Stunden Spielzeit enthält. Gerade bei einem AAA-Titel, der gerne 60€ kostet, scheint ihnen der Preis nicht gerechtfertigt. Ob das Spiel vielleicht eine hohe Qualität und immensen Spielspaß bietet, ist da wohl nebensächlich. Das finde ich schade, kann einen doch auch ein kurzes Spiel beeindrucken, fesseln und mitunter noch eine längere Zeit hinweg beschäftigen – auch nach dem Spielen. Das seinerzeit vieldiskutierte That Dragon, Cancer , in dem man als Elternteil den an Krebs erkrankten Sohn auf seinem vierjährigen Leidensweg begleitet und einen als Spieler mitunter sehr bedrückt und nachdenklich zurück lassen kann, ist da nur ein gutes Beispiel unter vielen.

Nun kann man stundenlang sachliche Fakten Für und Wider eine möglichst lange oder kurze Spielzeit betreffend sammeln und vorstellen; hier und jetzt möchte ich diese Frage nun jedoch auf eine persönliche Ebene herunterbrechen . Zum einen, weil ich mir diese Frage heute beim Spielen von The Witcher wieder einmal gestellt hatte und euch meine diffuse Antwort nun darlegen möchte, zum anderen, um mir eure Ansichten einzuholen. Ich muss schließlich wissen, wie hoch mein individueller Ominös-Faktor in dieser Sache ist!

Kurz, aber intensiv soll es sein!

Meine ingame-Aufmerksamkeitsspanne reicht von hier bis – oh seht mal, ein fliegender Affe! Dementsprechend brauche ich konzentrierte Inhalte, die wenige Längen kennen. Eine offene Spielwelt finde ich zwar großartig, doch nur, wenn die Immersion gegeben ist, so sehr, dass ich mich ins Spiel hinein gesogen fühle. Ja, ich spreche von dir, Witcher. Die Spielzeit liegt selbst bei einem Speedrun seitens der Entwickler bei etwa 25 Stunden, es bietet neben der Haupt- noch zahlreiche Nebenquests und allein mit der reinen Entdeckung der Welt habe ich schon ganze Stunden Wochen Monate verbracht. Doch nur, weil ich die Welt fantastisch finde, mich das Gameplay begeistert und ich den Werdegang der Charaktere hochgradig spannend finde. Man könnte fast meinen, dass mich dieses Spiel begeistert.

Völlige Begeisterung ist allerdings auch der einzige Grund, bei dem ich eine lange Spielzeit begrüße. Betonung liegt hier auf: „völlig“. Bin ich nur „begeistert“ breche ich das Spiel einfach ab und werde es nie bis zum Ende bringen. Es langweilt mich und ich will eines der anderen Spiele zocken, eine Serie sehen, verdammt, einfach meine Zeit nicht weiter an ein und demselben Titel vergeuden, wo es doch so viel anderen, hervorragenden Geekcontent gibt!

Selbst bei meinen Langzeit-Lieblingstiteln wie „Schatten über Riva“ oder „Divine Divinity“ wünsche ich mir auf halber Strecke endlich das Ende herbei. Ich brauche Plots mit Biss, die pointiert sind und einen knackigen Spannungsbogen haben, bei denen das Ende absehbar ist. „Schatten über Riva“ ist dabei jedoch nur „ein bisschen zu lang“. Sein Vorteil ist, dass die Abenteuer fast immer spannend bleiben und abwechslungsreich sind. Zudem, nun ja, sind mir die sechs Helden zu dem Zeitpunkt schon in den zwei vorherigen Spielen derart ans Herz gewachsen (und das ohne wirkliche Charaktere! Rollenspiel findet im Kopf statt. Oder so.), dass ich sie nicht loslassen kann. Niemals. …  Na toll. Ich hab’s geschafft. Jetzt muss ich die Nordlandtrilogie wieder mal installieren, die Sehnsucht ist zu stark!

Selbstverständlich hängt es auch vom Genre ab. Rollenspiele dürfen gerne einen Tacken länger sein – doch auch hier brauche ich bitte keine 50+ Stunden. Es sei denn, es handelt sich wie gesagt um Skyrim oder den Witcher. Maximal 30 Stunden finde ich selbst bei Rollenspielen vollkommen ausreichend.

Mein Traumtitel hätte rund 10 stunden Spielzeit. Komprimierte Story, nette Charaktere, einen Anfang, einen Mittelteil und, ganz wichtig, ein Ende. Zehn Stunden sind für mich eine gute Zeit, um sich in das Spiel einzufühlen, in es einzutauchen und das Spielgefühl auszukosten. Gleichzeitig ist es für mich ein rundes Spielgefühl, das sich nicht über Wochen oder gar Monate hinzieht (Oder, hust,Jahre. Hallo, Skyrim.), sondern einfach auch mal aufhört. Wenn die Intensität passt, ein voll entwickelter Plot dahinter steckt und ich einfach verdammt viel Spaß beim Spielen hatte, dann bin ich zufrieden. Dann kann ein Spiel auch 60€ kosten, denn dann ist es sein Geld wert.

Legt ihr denn Wert auf eine lange Spielzeit? Findet ihr in dem Fall, dass kürzere Spiele ihr Geld nicht wert sind, oder hat das für euch noch ganz andere Aspekte?

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