Gaming – Damals vs. Heute

Wisst ihr noch wie’s früher war?
Früher war alles schlecht
Der S-Nes grau, die Sound Files mies
Ghouls and Ghosts war furchtbar ungerecht
Doch dann – dann kam die Wende:
Unser Leid war zuende

Das könnte man durchaus denken, aber ist es wirklich so, dass alte Game Klassiker und 8 Byte Optik ihren Reiz völlig verloren haben und nicht mehr spielbar sind?
Das ist mein persönlicher Selbstversuch.

Aktuelle Games habe ich zu Genüge gespielt. Die letzte Jahre förderten auf Steam eine erschreckende Menge an Spielen zu Tage und mahnen mich sie zu spielen, wann immer ich den Steam Browser öffne.
„Marcus du hast Geld ausgegeben für uns, so viel Geld. Spiel uns… Spiel uns!“
Neben den beiden neuen Tomb Raider Games, der kompletten Batman Arkham Reihe, Bioshock, The Witcher, Mass Effect und vielen mehr zieren auch alte Klassiker Remakes meine Library auf Steam. Dazu gehören Giana Sisters: Twisted Dreams, das neue Doom und Castelvania: Lord of Shadow.

Grafisch sind all diese neuen Spiele durchaus anschaulich und auch haben mich einige in ihren Bann geschlagen. Bei Tomb Raider allein machte ich bestimmt drölfzig Milliarden Screenshots in den unmöglichsten Posen. Am liebsten nüchtern dreinblickend von einer Explosion weglaufend. Cool girls don’t look at explosions Lara!
Castelvania liegt noch im Winterschlaf. You’ve played 21 minutes. Game purchased 11.02.2014. Kommt sicherlich noch, vielleicht ja heute. Aber ich will gar nicht auf den Pile of Shame eingehen sondern vor allem, wie deutlich sich der Aufbau der Werbung heute und damals unterscheidet.

Gut, oben sehen wir nur Nintendo Werbung, aber das Prinzip der 90er Jahre war bei diesen Adds immer das Gleiche.

Wenig wurde vom Gameplay selbst gezeigt und oft schlüpften menschliche Laiendarsteller in die Rolle unser Byte and Bite Helden. Warum? Nun, da Grafik und 8 Bit Stereo Sound nicht der absolute Knaller und Eye Catcher waren wurde das Wohnzimmer kurzer Hand zur Bühne die die Welt bedeutet. Welche Welt kam auf das beworbene Spiel an. Teenager zeigen sich so übermäßig erfreut und geradezu ekstatisch vom Spiel angezogen, dass ihre vorzeitige Ejakulation kurz bevor zu stehen scheint. Am besten gefällt mir der damalige Vorzeige-Nerd mit Brille und gänzlich schmächtig mit seinem Held Conan für Arme. Ich versuche mich derweil daran zu erinnern, ob ich genauso gebannt und enthusiastisch vor dem Bildschirm mitfieberte und komme zu einem klaren Ergebnis: Leider ja! Mit Freunden wurden nach jedem bezwungenen Gegner High Fives ausgetauscht, meine Augen waren wie Scheunentore geöffnet wenn ich mit Opa-Opa dem „Raumschiff“ in der Fantasy Zone den Shop besuchte und mit 1 Mega Tonnen Bomben kaufte um Alien Basen zu zerstören oder ich mit Alex Kidd auf dem Motorrad durch Miracle World brauste. Wind habe ich kaum gespürt, die Fenster waren sicher verschlossen. Dafür aber atemberaubende Geschwindigkeit. Juchzende Freudenschreie. Glückstaumel… und zuviel Zucker bei zu wenig Sonne. Zeit für Sonne war eh kaum, wenn ich meine 120-130 Stunden Spielzeit von Final Fantasy VII bedenke!

Auch war ein Spiel nie schwer und unfair genug. Dank gefühlt unendlich Zeit auf dem Wochenend-Konto gab ich mich auch bei wahnwitzig schwierigen Spielen nicht geschlagen. Ghouls and Ghosts haben Thilo (mein bester Freund und Mitnerd) und ich zusammen bezwungen, Shinobi die Stirn geboten und natürlich auch die Fantasy Zone gerettet. Heute gestaltet sich das alles etwas anders.

Manche Dinge aber bleiben gleich. 🙂

Der potentielle Zuckerschock und Sonnenmangel taucht zuweilen noch immer auf. Aber ich spiele weniger ekstatisch. Vielleicht, weil ich vieles schon gesehen habe. Vielleicht, weil mir die pure Leichtigkeit der Kindheit abhanden gekommen ist. Vielleicht, weil ich nicht mehr so viel Zeit zum Spielen habe, um mich völlig auf die Spielwelt einzulassen, in ihr einzutauchen, die Immersion vollends genießen zu können. Die Grafik ist natürlich besser geworden, um Lichtjahre versteht sich und in Dolby Surround dröhnt der Bass unter meinem Schreibtisch. So sehr fegen mich oft die Sound Effekte vom Stuhl, dass sich Gänsehaut einstellt. Das trifft auch auf viele Trailer zu, die mir nicht nur Gänsehaut sondern direkt ganze Gänse in den Spielraum schicken. Wow sieht das alles genial aus. Das muss ich spielen.

In der Werbung heutzutage ist keine Spur mehr von den Spielern zu erkennen. Zumindest meist nicht. Dank der ganzen graphischen Updates ist das auch nicht mehr nötig erheiterte Gesichter voller Spielspaß zu zeigen. Auch das Miteinander fehlt meistens, es sei denn es handelt sich speziell um eine Konsole, die für Multiplayer beworben werden soll. Gibt ja eh Multiplayer, nur mit dem echten High Five wird es eben schwer wenn man nur per Kopfhörer und Internet verbunden ist. Zur Zockerrunde treffe ich mich nur noch selten und Lan-Partys sind natürlich auch längst ausgestorben.

Ich habe gerade nochmal Ghouls and Ghosts gespielt. Naja, ich habe es gestorben. Ja, bestimmtes Nicken, ich habe Ghouls and Ghosts ein paar mal gestorben. Mit Mühe habe ich das erste Level beendet, nicht ohne unzählige Male von auftauchenden Knochen, Feuerbällen oder einer überraschenden Sturmwelle ins Jenseits gerissen worden zu sein. Mein auditiver Kortex lässt imaginäre Freudentränen fließen als die Musik erklingt. Ich sehe mich wieder als Kind vor der alten Konsole sitzen, mit den abnorm riesigen, Creme gefüllten Donauwelle Schoko Torten Stücken, welche heutzutage sofort zu Diabetes führen würden. „Ah Donauwelle der Oma Winterscheid. Ein kleiner Bissen füllt den Magen eines ausgewachsenen Mannes.“ Tja Legolas, wie viele ich hatte? Zwei oder drei ganze Tortenstücke natürlich!

Werde ich Ghouls and Ghosts nochmal durchspielen? Nein. Hell no! Vielleicht auch kein anderes altes Spiel, das ich heute auf meinem nostalgischen Feldzug noch finden werde. Trotzdem bedaure ich ein wenig den Aufbau der neueren Games. Entweder sind sie zu einfach geworden oder bieten zumindest mir nicht mehr diesen Thrill. Der Multiplayer Faktor ist auch ein wenig abgeschwächt, obwohl es viel mehr Games gibt, die das unterstützen. Aber eben nicht um zusammen eine Donauwelle zu vernichten und dann mit vollem Wanst den nächsten Boss zu bekämpfen. Zusammen!

Vielleicht brauche ich auch einfach nur mehr Zucker und mehr Zeit. Was sind eure Erfahrungen damit?

 

 

Vielleicht interessiert dich auch ...

6 Kommentare bei “Gaming – Damals vs. Heute

  1. Oh, der Thrill….! Das war bei mir Mega Man 3, und ich weiß noch, wie stolz ich war, es bis zu Dr. Wiley geschafft zu haben, nur um dann keine Ahnung mehr zu haben, wie ich den besiegen soll. XD
    Und heute, heute, da schaff ich nicht mal einen der normalen Robomaster. *schnief*

    • Willkommen im Club. Kann Opa-Opa kaum noch kontrollieren und Alex Kidd auf seinem Motorrad habe ich auch zunächst erstmal postwendend in eine rote Stop Kugel gebrettert! 🙂
      Mega Man war auch richtig gut \o/

      • Yay! 😀
        Wie heißt denn der Club? Leute über 30, die mal eine Gamingerfolgsgeschichte hatten? ^^

        Wobei das schon witzig ist, die Gamingfähigkeiten scheinen mir antiproportional zum Stapel noch zu spielender Games zu sein. ^^

  2. Ich hatte früher auch viel mehr Spaß am Spielen als jetzt, weiß aber nicht, woran es liegt. Bin ich älter geworden? Hat sich mein Anspruch verändert? Oder liegt es daran, dass man nicht mehr gemeinsam vor dem Fernseher sitzt und sich um den Controller prügelt?!
    Selbst wenn ich meine alten Spiele spiele, gebe ich sie nach einiger Zeit genervt dran, weil sie zu schwer bzw. zu knifflig sind. Ich besitze viele halbwegs aktuelle Spiele, die ich bis heute nicht zuende gespielt habe, weil mir irgendwann die Lust am Item Sammeln vergangen ist. Die heutigen Spiele haben so eine geniale Graphik, dass man sich gar keine Filme mehr angucken braucht. Das letzte Spiel, das mich richtig gefesselt hat war Mass Effect.

    • Zu meiner Schande habe ich Mass Effekt noch immer nicht durchgespielt. Es liebt neben anderer Triple A Titel auf dem großen Berg der Schande auf Steam. Aber werde ich noch. Echt jetzt. Irgendwann. Maybe.
      Vielleicht ist unsere Aufmerksamkeit gesunken? Nicht mehr so lange hingebungsvoll einem Projekt folgen. Schnell was Neues? Außerdem gibt es ja auch so schnell so viele Spiele, Serien, Filme etc. Das war früher auch nicht so.

  3. Irgendwie hat sich einiges verändert. Früher war ich so unglaublich stolz als ich mir ein spiel gekauft hab. Ich brannte innerlich wollte das Spiel unbedingt durch zocken. Der kleine Konkurrenzkampf auf dem Pausenhof und die Stunden die man sich mit Freunden über Spiele und Taktiken unterhalten hat. Da fließen mir doch fast die Tränen. Klar ich hatte nicht viele Spiele also hab ich mich umso intensiver mit den Spielen beschäftigt. Bis die Daumen weh taten 😀
    Heute gibt es kaum noch ein Spiel das mich wirklich interessiert. Es gibt eine Flut an Spielen. Ein Großteil davon ist mittelmäßig und nicht das Geld oder die Zeit Wert. Das einzige Spiel das mich in letzter Zeit wirklich an die Konsole gebannt hat war Wichter III + Addons. Story Top, Grafik Top, Spielgefühl Top.
    Es hat sich einiges geändert. Schon alleine die Bewertung von Games. Früher hat man auf Zeitschriften vertraut heute schaut man sich direkt Gameplay Videos an und weiß ob das Game einem gefällt oder nicht. Glaube es gibt eine Menge Aspekte die sich einfach geändert haben. Ich bereue jedenfalls keine Minute oder Stunde die ich früher gezockt hab. War eine schöne Zeit 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Website