Sind Influencer noch Comic-Con – oder können sie weg?

Was ist eine Comic-Con? Kurz gesagt eine ursprünglich dem Medium „Comic“ gewidmete Convention, in der es primär um den Austausch der Fans mit Künstlern, Autoren und anderen Kreativen im Reich der bebilderten Geschichten geht. Im Laufe der Jahre wurde die Bedeutung einer Comic-Con erweitert. Wie auch die weltgrößte Comicmesse ihrer Art in San Diego zeigt, stehen mittlerweile nicht nur Comics im Fokus, sondern nahezu die ganze Bandbreite der „Geekkultur“ im Bereich der Medien: Fantasy und Sci-Fi, Horror und Mystery sind gern gesehene Themen. Schauspieler, Regisseure und sonstige Beteiligte entsprechender Filme und Serien runden Comic-Cons heute ab.

Seit 2015 gibt es auch hierzulande große Comic-Cons. Eine davon nennt sich „German Comic Con“, deren Ableger bereits das Wochenende nach Ostern in Frankfurt stattfinden wird. Mit Gästen aus Gotham, Highlander, Sons of Anarchy und vielem mehr hat sie tatsächlich nur peripher etwas mit den amerikanischen Comics zu tun, an die die meisten bei einer „Comic-Con“ wohl denken würden. DC? Marvel? IDW? Diese werden wohl nicht vertreten sein, aber immerhin andere Comickünstler, die man hier begutachten kann.

Namen aus Film, Fernsehen und Comics: Sehr gerne. Was jedoch derzeit für dezenten Unmut sorgt ist die Hinzunahme einer weiteren Kategorie an „Stars“: Die der „Influencer“. Influencer, so werden vorrangig Menschen bezeichnet, die sich im Internet eine Gefolgschaft – oder Fans – erarbeitet haben und aufgrund dessen für diverse Vermarktungen besonders attraktiv sind. Oft sind es Modeblogger, Instagramer, Youtuber; Menschen also, die für die Begriffe der meisten „nichts geleistet haben außer ihre Gesichter in die Kamera zu halten und dabei besonders schön, albern oder cool daherkommen.“ Oder, um den Bogen zurück zur Comic-Con zu schlagen: Die nur selten etwas mit der Geekkultur zu tun haben.

Die „Starankündigungen“ auf den sozialen Kanälen der German Comic Con jedenfalls scheinen kein Ende zu nehmen. Leider werden scheinbar fast nur noch Influencer angekündigt wie AnaLisa: „Dabei vloggt sie über alltägliches, Mode und Themen, die ihre Fans interessieren.“ Oder Nico Rendes. “ Lifestyle und Freundschaft stehen für ihn im Zentrum seiner Social Media Kanäle.“

 Ist das noch „Comic-Con“? Oder kann das weg?

Die German Comic Cons sind Conventions rund um das Thema Comic, Film & TV, Cosplay & Costume, Games und allgemeine Unterhaltung. Vor Ort erwartet die Fans eine gigantische Erlebniswelt gefüllt mit nationalen und internationalen Stargästen und Zeichnern. Ebenso wie mit nationalen und internationalen Händlern und Ausstellern. (Quelle: German Comic Con FB-Präsenz)

Die German Comic Con scheint sich derzeit sehr auf die „allgemeine Unterhaltung“ zu fokussieren, Comic, Film&TV scheint da fast nur der NPC zu sein. Mit Sicherheit sind „Influencer“ eine gute Wahl, wenn es darum geht, möglichst viele junge Besucher mit an Bord zu holen. Aber sie verleiden es sich damit auch mit einigen Comicfans. Die, unter uns gesagt, teilweise auch ein wenig zu viel von den Keksen der dunklen Seite genascht haben.

Wobei ich ein Comic-Quiz unter den Influencern echt nett finden würde! Vielleicht wissen sie mehr, als man denkt! Ehrlich: Nur, weil jemand nicht so aussieht, als würde er Link für Zelda halten, heißt das nicht, dass dem auch so ist. Zeugt es nicht von Arroganz, Leuten wie Nico Rendes per se jegliches Comicwissen absprechen zu wollen? Mit welcher Begründung? Weil er … ein Influencer ist? Nicht aussieht wie ein Nerd? Ich bitte euch. Wie dem auch sei: Die Facebookgemeinde ist sich fast einig: Solche Leute gehören nicht auf eine Comic-Con.

Auf mich persönlich wirkt es derzeit auch mehr wie eine Youtube-Hipster-Con denn eine Comic-Con, auch wenn die Influencerhalle eine eigene ist und vielleicht nicht unbedingt mit den restlichen Arealen kollidiert.Auch gibt es meiner Ansicht nach „Influencer“, die sich deutlich besser für eine Comic-Con eignen würden. Die sich mit der Geekkultur beschäftigen. Die Videos über die Hintergründe in Comics machen oder sonst etwas zu sagen haben. Die nicht nur lustige Challenges oder Let’s Plays machen. Für Youtuber, Instagramer und Co. mit Lifestyle-, Beauty- oder ähnlichen Inhalten gibt es allerdings durchaus auch andere Plattformen und Events, wo ihre Präsenz besser passen würde.

Ich finde aber auch, dass die bloße Integration eines „Influencers“ in die German Comic Con kein Unding ist. Wenn die Inhalte der Person zum Thema „Comic-Con“ passen. Es sind schließlich keine schlechten oder uninteressanten Menschen und haben im Netz sicherlich ihre Daseinsberechtigung. Vielleicht sind es ja auch riesige Nerds. Who knows? Könnten sie dann aber nicht auch als normale Gäste anwesend sein? Braucht man das Marketing derart? Man hätte sich einfach nur besser vorab entscheiden sollen, was man will: Eine Comic-Con… oder doch eine Pop-Con.

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