Als Wonder Woman Batman verprügelte

Autor: Greg Rucka | Illustrationen: J. G. Jones | Verlag: Panini | Format: 100 Seiten, Hard- und Softcover | Band: 1 von 1 | Bestellen 

Immer dann, wenn die Modernität eines heutigen Mediums oder wie hier eines Superheldencomics auf die von mir einst studierte alte Welt trifft, jauchze ich innerlich auf. In Einklang bringen lassen sich diese beiden Komponenten natürlich durchaus, eine interessante Realisierung jedoch trifft man selten.

In dem von Panini nun wieder neu aufgelegten Comic „Hiketeia“ ist es Wonder Woman, die von ihren Wurzeln umschlungen wird. An das alte Ritual der Hiketeía gebunden muss sie die junge Frau Danielle beschützen, die bei ihr Zuflucht sucht. Und das ausgerechnet vor Batman. Der nämlich hält von Danielles Vergangenheit nicht allzu viel. Getreu dem Motto: „Ich bin der Einzige, der sich über die eigentlichen Gesetze hinwegsetzen und Selbstjustiz verüben darf“ jagt er die arme Dame, die doch eigentlich nur Gutes im Sinn hat. Wonder Woman indes hat nun die Wahl: Soll sie sich an die heiligen alten Regeln halten oder Danielle vor Batman beschützen – bis einer weint.

Dabei wird der Leser in die DC’sche Version altgriechischer Gesetze eingeführt und erhält eine Version der Erinyen (oder auch Furien, Rachegöttinnen) präsentiert, die sich vor Vergleichen mit horroresken Kreaturen nicht zu scheuen brauchen. Diese leicht alternativ angehauchten historischen Fakten sind unterhaltsam aufbereitet und bilden eine interessante Grundlage für den ungleichen Kampf der Superhelden.

Wirklich schlüssig ist es allerdings nicht. Die eigentliche Hiketeía bietet beispielsweise einen nur temporären Schutz. Den anzugreifen natürlich den Zorn der Götter auf sich ziehen würde, aber eben auch nicht permanent ist. Nicht permanent sein kann. Sonst könnte jeder auch Hochkriminelle Asyl suchen und bis an sein Lebensende in Frieden und Freiheit leben. Wonder Woman jedoch macht Batman klar, dass sie über Danielles Schicksal lange würden kämpfen müssen. Nicht nur, bis einer weint, sondern tatsächlich auch darüber hinaus. Dabei würde Batman sie doch auch nur der Gerechtigkeit überführen, was, streng genommen, auch im langzeitigen Sinn der Hiketeía stehen würde.

Nun denn. Es ist ein Comic und genießt als solcher phantastische Freiheiten. Wie schlägt er sich abseits des Rituals?

Ganz gut. Die Mixtur aus Mythos, der Frage nach Gerechtigkeit und dem Kampf der Giganten macht den rund 100 Seiten starken Comic zu einem unterhaltsamen Lesevergnügen. Nicht alles macht 100%ig Sinn und auch die Figur des Point of View ist zweifelhaft gewählt. Im Fokus steht im Gesamten nicht etwa der Kampf zwischen Wunderweib und Läderlappen, sondern der Zwiespalt, in dem sich Wonder Woman scheinbar befindet. Dabei steht ihr Wille und Sinn eigentlich außer Frage, der Zwiespalt ist also ähnlich lau wie die Prügelei zwischen den beiden Helden.

Dieser ist schnell entschieden, was natürlich auch an Wonder Womans Stärke und Finesse liegt. Batman ist ihr unterlegen, und das ziemlich eindeutig. Neben ihr wirkt er wie ein dummer Junge, der Krieg spielen möchte und statt eines Astgewehres nur einen Wattebausch mitgebracht hat. Ganz niedlich. Aber nicht imposant.

Dennoch ist Hiketeia ein „Nice to Read“. Man wird tiefer in die Lore Wonder Womans eingeführt und erhält einen guten Einblick in ihren Charakter und dem, wofür sie steht. Die aufgebaute Stimmung ist sehr dicht, die Erzählweise fesselnd. Zudem bietet er ein oder zwei ikonische Szenen, die man zumindest mal gelesen haben sollte.

Story:               
Artwork:          
Panel Layout:  
Innovation:       
Phoenixfaktor

Autor: Greg Rucka | Illustrationen: J. G. Jones | Verlag: Panini | Format: 100 Seiten, Hard- und Softcover | Band: 1 von 1 | Bestellen 

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