Frauen als Trashmobs

Man stelle sich folgende Szene aus einem Videospiel vor:

Mit wehendem Cape steht der strahlende Held – klassischerweise nur bestehend aus Muskeln und Samensträngen – auf der Klippe, das Schwert mit festem Griff in der Hand. Schweiss perlt von seiner Stirn, als er die Kräfte für den nächsten Ansturm der Horde sammelt. Das Dröhnen unzähliger Schritte und Schlachtrufe aus tausenden blutrünstigen Kehlen haben die fidelen Naturgeräusche längst übertönt. Die baldigen Gegner nahen stampfenden Schrittes, bereit, dem Recken Einhalt zu gebieten.

Vermutlich werden sich die meisten von euch unter „Gegner“ männliche Schergen vorgestellt haben – wenn sie nicht durch den Titel dieses Artikels auf eine andere Schiene gelenkt worden sind. Ist das nun ein gutes, oder schlechtes Zeichen – oder ist es am Ende nicht ohnehin völlig egal?

Zunächst zu den irdischen Fakten: Im aktiven Dienst des US-Militärs sind zu 85% Männer anzutreffen, bei der Bundeswehr sind es aktuell rund 90%. Dass nun also weniger weibliche, denn männliche Avatare in weltlichen Shootern anzutreffen sind, ist durchaus realistisch. Auch die physische Leistungsfähigkeit ist bei Frauen im Schnitt deutlich, nämlich etwa ein Drittel, geringer, sodass man sie gemeinhin eher weniger als „harte Soldaten“ sieht. Fernab weltlicher Realität wird bei der Gestaltung der virtuellen Figuren oftmals die „gestalterische Schwierigkeit“ in den Raum geworfen: Weibliche Charaktere seien wesentlich schwieriger zu designen als ihre männlichen Counterparts, ihre Bewegungen zu weich, der Körper nicht eckig genug und das Haar zu wallend. Dass sich das alles eventuell dadurch lösen ließe, dass man den Damen die gleiche Ausrüstung wie den Herren und ihnen selber einen eher effektiven, denn sexuellen Gang angedeihen ließe, steht auf einem anderen Blatt.

Doch zurück zum wichtigeren Thema: Den Trashmobs.

Diese sind längst nicht nur in Militärshootern anzutreffen, sondern beispielsweise ebenso in Rollenspielen und Jump’n‘ Runs: Die üblichen Gegnerhorden, die sich entweder in Gruppen oder auch kühn abgekapselt eben jener auf den Helden stürzen, um ihn zu vernichten. Dass sie selber imaginäre rote Shirts tragen, vergessen sie dabei oft genug. Glück für den Helden.

Nun höre ich es bereits bis hierhin: „Hilfe, nicht schon wieder ein Feminismusthema!“ Uhm, actually… ist es eher ein Thema, das beide Geschlechter in leicht schlechteres Licht rückt. Da hätten wir zum einen das Thema klassischer Rollenverteilung: Die Frau bleibt zu Hause und kümmert sich um Kinder und Hof, während der Mann auszieht, um Familie und Land vor großen Gefahren zu schützen. Das hat nicht nur den Grund körperlicher Überlegenheit, sondern auch den des Leitsatzes sicher vieler „besorgter Frauen“: Männer sind entbehrlich.

Wenige Frauen reichen nicht, ein Dorf oder einen Landstrich zu bevölkern, wenn es erobert wird oder auch gewaltvoll der Bevölkerung dezimiert wurde. Aber es reichen wenige Männer. Frauen sind das „kostbare“ Geschlecht, Männer dagegen in der Masse „überflüssig“. Sie in den Krieg zu schicken tut wohl weniger weh, als es bei Frauen der Fall wäre. Welch Freude, dass Gewalt gegen Männer ohnehin gesellschaftlich akzeptierter ist. Ohrfeigt ein Kerl eine Frau, ist das ein Skandal; ohrfeigt jedoch eine Frau einen Mann, ist das gut und gerne einen Lacher wert. Meistens habe es der Mann ja ohnehin verdient, denn [insert irgendeinen fadenscheinigen Grund]. Dieser Gedanke geht so weit, dass selbst Vergewaltigungen an Männern marginalisiert werden und wohl auch ein Mitgrund ist, dass die Dunkelziffer bei (häuslicher) Gewalt gegen Männer derart hoch ist. Scham, nicht mehr als Mann wahrgenommen zu werden, Scham, „schwächer“ gewesen zu sein als die Frau. Bösartige Gewalt sollte jedoch nie als nichtig empfunden werden. Ebenso empfinde ich es nicht als sonderlich ritterlich, wenn der Mann zwar die holde Maid beschützt, dafür jedoch dem nächstbesten Kneipenbesucher ein blaues Auge verpasst.

Dies sei alles nur als Hintergrund berichtet, wirklich über die gar furchtbaren Umstände zu heulen liegt mir fern. Gegner gibt es in Videospielen jedenfalls genug und das Kanonenfutter ist tendenziell eher männlich. Sicher gibt es weibliche Schurken: Diese sind meist jedoch Individuen. Ihre Weiblichkeit ist nicht immer, aber oft genug das einzige und wichtigste Attribut. Man nehme nur Schlumpfine: Während alle anderen Schlümpfe wesentliche Charakterzüge oder Hobbys haben, muss sich Schlumpfine damit begnügen, ein Mädchen zu sein. Männer machen, Frauen sind.

Meinem Gefühl nach würde es wohl auch einen Aufschrei geben, wenn man statt der üblichen Kerle plötzlich haufenweise Damen über den Haufen knallen müsste. Das wäre natürlich absolut schrecklich und sexistisch! –  Finde den Fehler. Gerade in älteren Spielen gibt es zwar vereinzelt auch weibliche Gegnertypen, diese sind jedoch eher speziell und nicht der üblichen Norm der sonstigen Gegnermasse entsprechend. In Quake 2 etwa gibt es einige männliche Gegnertypen und genau einen weiblichen: Die Iron Maiden. Mehr weibliche Trashmobs tummeln sich beispielsweise bei Saints Row 2, bei dem die Geschlechteraufteilung auf beiden Seiten gut aufgeteilt ist, auch die Elder Scrolls-Reihe ist ein meiner Meinung nach sehr positives Beispiel. Bei BioShock beträgt die Quote immerhin etwa 1:3. Wo die geringe Frauenmobdichte hintergrundtechnisch Sinn macht, ist die Tomb Raider-Neuauflage. Bei The Last of Us wurden die weiblichen, menschlichen Gegner entfernt, waren jedoch ursprünglich angedacht. Weibliche Clicker sind allerdings durchaus anzutreffen.

Das neue Assassins Creed scheint es richtig zu machen, indem es in die Reihen der Gegner weibliche Mobs einfügt und das Straßenbild insgesamt verweiblicht. Das wäre fast ein eigener Rantbeitrag wert – ich finde das Lob überzogen und die im Spiel herrschende Gleichberechtigung historisch zu inkorrekt. Wenn das (pseudohistorische) Setting diskriminiert oder Frauen in kämpferischen Positionen nicht wirklich zulässt, darf man es meines Erachtens nach gerne dabei belassen.

Wie dem auch sei: Ich finde durchaus, dass es auch viele weibliche Trashmobs geben sollte. Wenn auf Männer geschossen werden darf, sehe ich keinen Grund, bei Frauen eine Ausnahme zu machen – und selbstverständlich meine ich dies nur im Kontext eines Videospiels. Das ist schließlich keine Einladung. „Hey – shoot here!“

Wie seht ihr das? Hättet ihr Skrupel, auf weibliche Gegner zu schießen, mehr als auf männliche? 

Vielleicht interessiert dich auch ...

7 Gedanken zu “Frauen als Trashmobs”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.