Der Ort im P&P, der mich wahnsinnig macht

„Ich gehe in den Krämerladen und kaufe ein…“ Gähn. Kaum eine Location stört mich mehr als die Krämer,- Waffen-, Rüstungs-, und Wattebauschläden in beliebigen Rollenspielen. Meiner Erfahrung nach werden diese Szenen unnötig ausgedehnt. Jeder Einkaufszettel, ob er nun drei Zutaten für ein Butterbrot oder ein einziges Paar Stiefel enthält, wird zelebriert, als handle es sich um die Schlüsselszene des Abenteuers. 99% der Einkaufsdialoge laufen dabei nach einem Schema ab.

„Hallo sehr geehrter Händler – Hallo blabla – Ich hätte gerne XY – Oh ja das kostet 6,66 – ne machen wir 6,50 draus – [Insert 3 Stunden Gefeilsche] – So hier bitte schön, für 6,57 ist es deins, sonst noch was? – Ja wo ich schonmal hier bin hätte ich gerne noch XY – vorzügliche Wahl, das macht 42,42 – Na machen wir doch 42,41 draus (…)“ Noooo!

Nun darf man natürlich sagen: „Hey, du hast einfach die falschen Erfahrungen gesammelt/ deine Gruppen waren blöd“. Ersteres mag stimmen, zweiteres jedoch nicht. Es waren zumeist lediglich die Händlerszenen, die mich zu kleinen Schnarchanfällen veranlasst haben. Nicht, dass das bei jedem von euch der Fall sein muss. Vielleicht findet ihr Händlerszenen ja besonders großartig und würdet am liebsten ein „Shopping Queen“-RP erstellen? Nur zu! Dennoch möchte ich meine persönliche Abneigung hier etwas genauer erklären und gleichzeitig den ein oder anderen Tipp loswerden. Es steht allerdings jedem frei, es anders zu bewerten und weiterhin seine eigene Meinung zu vertreten.

Weniger ist mehr

Die typische Heldengruppe besteht aus 3-4 Leuten. Wenn nur einer davon (ausführlich) einkaufen geht, sitzen die verbleibenden 3 Leute herum und drehen Däumchen (oder dem Spielleiter den Hals um). Wer möchte schon dem x-ten Händlergespräch lauschen? Das „Gameplay“ ist ohnehin gleich oder zumindest sehr ähnlich – warum also das ganze nicht drastisch verkürzen? Tut es jemandem weh? Wenn nicht: Ein „Ich kaufe mal schnell dies und das ein und streiche mir Betrag X ab, ok?“ reicht im Grunde vollkommen und man kann sich auf die wirklich spannenden Geschichten, Spielereien und Aufgaben konzentrieren. Als Beschneidung des Rollenspiels empfinde ich es persönlich nicht. Man spielt generell nicht jedes einzelne Gespräch mit einem NPC oder auch PC durch, sonst würde ein Abenteuer Tage, Wochen, Monate am Stück brauchen.

Es ist auch nicht unbedingt nur die Location, die mich stört, sondern das Murmeltierartige. Kamen wir, egal innerhalb welcher Spielegruppe ich gezockt habe, in eine Stadt: Zack, der erste Gang war der zum Geschäft. Je-des Mal. Ich konnte es bei den meisten Charakteren bereits mitsprechen. Das war so eingefahren, dass es auch nicht wirklich half, wenn man es angesprochen hat. Dafür waren meine bisherigen Gruppen allerdings bei fast allen anderen Angelegenheiten großartig.

Aus dem Händler (und Laden) einen Typen machen

Genau wie der Wirt nicht immer ein dicker, rotwangiger Kerl sein muss, darf der Händler – oder die Händlerin – auch mehr Profil als die Schuhsohle eines Stepptänzers besitzen. Es ist eine der einfachsten Möglichkeiten, das Einkaufen abwechslungsreich zu gestalten. Wenn nicht jeder Ladenbesitzer gleich wirkt, hat es auch für die unbeteiligten Spieler mehr Anreiz, zuzuhören.

Auch das Geschäft an sich kann ausgeschmückt werden. Erinnert euch an spannende Läden in Computerspielen, Filmen oder auch Bücher. Und wenn es nur Ollivanders ist, das Fachgeschäft für Zauberstäbe aus Harry Potter. Erinnert euch an das individuelle Interieur, wie die ganze Atmosphäre auf euch gewirkt hat. Vermittelt nicht das Gefühl, als gäbe es im gesamten Land nur ein einziges Waffengeschäft, das mit den Helden reist und plötzlich in jeder Stadt, wo die Spieler auftauchen, aufploppt. Jeder Laden kann und darf anders sein. Auch  wenn natürlich nicht jedes Geschäft extrem besonders sein muss, das wäre mit Sicherheit auch dezent dubios. Wenn man aber mit Leidenschaft Einkäufe spielt, dann wäre es doch nicht verkehrt, daraus ein kleines Erlebnis mit Mehrwert zu gestalten. Und wenn man nicht gerade in der Realität oder in einem Sci-Fi-Setting o.ä. spielt, sind komplett gleich geschaltete Ketten wie Aldi und Co eher Mangelware.

Den Shopbesuch ins Abenteuer eingliedern

„Hee … psst. Wolle Info kaufen?“ Nein, ganz so offenkundig muss es ja nun nicht sein. Doch wenn man hin und wieder mal abenteuerrelevante Informationen in Gespräche mit NPCs einfließen lässt, kann das so verkehrt nicht sein. Gerade da bietet sich der Händler besonders an. Warum? Der Wirt ist ohnehin eine erwartete Informationsschleuder. Und die Passantin, die selbstverständlich total zufällig zu plaudern beginnt? Klar. Vom Händler jedoch erwartet man es nicht unbedingt. Wenn man es denn geschickt einfädelt und es eher in Nebensätze einfließen lässt. Zudem bekommt der Einkauf dann etwas weniger Belangloses.

Ich selber habe schlichtweg eine Aversion gegen die Location „Geschäft“ in Rollenspielen entwickelt. Wahrscheinlich ist mein Gefühl da auch etwas übertrieben. In zukünftigen Gruppen (derzeit habe ich leider keine, da mir die Zeit fehlt) werde ich definitiv darauf achten, keine Stunde damit zu verbringen, dass nur einer(!) shoppen geht.

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5 Kommentare bei “Der Ort im P&P, der mich wahnsinnig macht

  1. Schöner Beitrag, dem ich zustimme. Wenn es nicht spielrelevant ist, reicht abstreichen völlig.

    Mir fällt beim Lesen des Beitrags aufgefallen ist, ist der Händler als Inspirationsquelle. Die erste Reaktion war: „Ist doch total klar. Der Händler ist ortsansäßig, Reden gehört zu seinem Geschäft und viele Leute gehen bei ihm ein und aus – in so einem Waffenladen bestimmt auch viele Abenteurer – natürlich sollte er eine Menge wissen.“ Jetzt bin ich am Grübeln, wie komisch es ist, dass man als Spieler (meiner Erfahrung nach) eher dazu neigt, sich ominös „auf der Straße“ umzuhören, um Informationen zu bekommen, als zu einem Händler zu laufen. (Der Wirt läuft natürlich außer Konkurrenz.)

  2. Du schreibst mir gerade aus der Seele. Das Einkaufen dauerte bei uns gerne mal zwei Stunden und der Meister hat es einfach nicht hingekriegt, solche Szenen zu verkürzen. Mein Einkauf lief immer so ab: „Ich will ein besseres Schwert, ein paar neue Heiltränke. WIe viel kostet das, wenn ich dieses und jenes loswerde?“ Warum geht das nicht immer so?
    P.S. Den Shop in Weißlauf habe ich aber geliebt ;-D

  3. Wenn ich SL bin dauert ein einkauf nie länger als 5 Minuten … außer ich habe was vor mit der Gruppe.
    Gibt nichts mehr gähn als 20 Jahre lang immer die gleichen Situationen ausspielen zu müssen … hat für mich auch nichts mit Rollenspiel zu tun ….

  4. Hach ja, das kenne ich auch, da hat sich endlich die Runde zusammen gefunden, der Small Talk ist durch und man denkt sich: Können wir jetzt anfangen? Oh, beim letzten Mal gab es Geld, dann können wir ja erstmal einkaufen gehen….
    So viel geht bei uns eigentlich gar nicht für das Handeln drauf, sondern weil es (in Pathfinder) so verdammt viele magische Gegenstände gibt und es dann manchmal darum geht DEN Gegenstand zu finden, der optimal die eigenen Werte ergänzt und erschwinglich ist… Dazu kommen dann noch Sachen wie Seltenheit („Bekomme ich in diesem Kuhdorf denn überhaupt den Magic Brainbooster 2000 oder muss ich da in eine große Stadt?“) etc. Aber irgendwie freut man sich ja dann doch, wenn man das Zeug dann endlich hat…

    Die Tipps aus dem Händler etwas besonderes zu machen und Händler zum Verteilen von Informationen zu benutzen, finde ich super!

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