Ein Besuch im Münchner Item Shop

Ich hatte noch keinen Fuß in die Stadt gesetzt, als es mir schon von allen Seiten entgegen schallte: „Hey! Listen! Wenn du in München bist musst du unbedingt zum Item Shop!“ Als Neu-Münchnerin bin ich froh um jeden geekigen Tipp rund um die Stadt der Brez’n, doch derart oft wie dieser Laden wurde mir tatsächlich nichts anderes genannt. Es mussten jedoch zwei Monate vergehen, ehe ich mich dort einfand. Ein Spoiler vorweg: Es hat verdammt gute Gründe für die häufigen Empfehlungen!

Im Kontrast zur grauen, mit strengen Straßenschildern bespickten Straße zeigt sich der Item Shop bunt und freundlich. Wer ihn betritt, tritt ein in die farbenfrohe Welt diverser Fandoms und geekiger Leidenschaft. Von einschlägiger Musik wie etwa aus Skyrim oder Zelda begleitet weiß man kaum, wohin der Blick einen führen soll. Nach links, wo eine gemütliche kleine Sofaecke lockt? Geradeaus gen Regal voller Gesellschaftsspiele? Oder doch rechts an Kleinkram und Kasse vorbei in den Hinterraum? So much to see and do and so wenig money! Doch ich habe einen Termin und laufe geradewegs in die offenen Arme von Miss Cherry.


Die kleine aufgeweckte Frau mit dem ansteckenden Lächeln hat vor gut dreieinhalb Jahren zusammen mit zwei Freundinnen den Shop für Geeks und Nerds eröffnet. Das Trio rund um den Endboss Glasmond lernte sich einst Dank des Internets kennen und dachte sich eines schönen Tages: „Hey! We should buy a Geekstore!“ Schwupps, fanden sie mit viel Glück die passende Location nahe des Isartores. Es hat sich gelohnt: Das schwungvolle Regal fügt sich perfekt in den Raum ein, der nach hinten in den textilen Bereich und nach unten in den Kellerraum führt. Dieser bietet zwar keine Verkaufsfläche, dafür jedoch jeden Samstag zwischen 18 und 20 Uhr die Tauschbörse, in der jeder eigenen Loot mitbringen und fremden Loot wieder rausnehmen kann. Übrig Gebliebenes findet den Weg zu bedürftigen Kindern.

Nun jedoch sitze ich mit der vom Shop erzählenden Cherry in der Sofaecke und kann den Blick kaum von dem großartigen Stuff wenden, der uns umgibt. Gesellschaftsspiele, Figuren, allerlei Kleinstuff, Taschen, Wohnaccessoires und vieles mehr aus dem Reich des Geekigen und Phantastischen tummelt sich auf den Regalen und Tischen.

Viele Kunden zählen mittlerweile zu unseren besten Freunden„, meint Cherry, während sich neben uns drei junge Männer über Zelda unterhalten. „Viele hängen einfach ab, stehen an der Kasse und quatschen. Viele kommen auch her und spielen ein paar Runden Magic.“ Ja, Geeks sind durchaus soziale Wesen und das zeigt sich natürlich auch hier. Neben Cherry arbeitet heute auch ein anderer NPC hier. Er hatte extra seine feste Arbeit gekündigt, um im Item Shop arbeiten zu können. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut. Ich kann es gut verstehen.

Die Atmosphäre bleibt sehr locker und casual; es wird gelacht, über Fanstuff diskutiert und einfach zusammen Zeit verbracht. Zeit, die sich auch bis hinter die Öffnungszeiten zieht, wenn die kleineren Events im Hause stattfinden. Zeichner- und Autorentreffs beispielsweise, zu denen ich auch mal hingehen werde. Ich meine hey, ich gehöre da genau zur Zielgruppe! Welche Events wann stattfinden könnt ihr bei Facebook sehen. Überhaupt sind die Jungs und Mädels auf Facebook sehr aktiv und pflegen ihre Seite auf sehr sympathische Weise.

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In der Zwischenzeit verliebe ich mich in einen Mini-Impala, den ich leider am Ende vergesse, zu kaufen. Überhaupt frage ich mich und den NPC, wie man hier arbeiten kann ohne bettelarm zu werden. „Es geht schon!„, nickt der NPC stolz, lenkt dann aber nach einer kleinen Pause doch ein: „Naja. Man kauft hier doch sehr viel…“ Well. I know that  feel, bro. Ich habe bis vor ein paar Monaten im Comicladen gearbeitet. Die Liebe zum Detail zieht sich nicht nur durch den Laden, sondern auch durch die verwendete Sprache. Von Loot statt Einkauf ist die Rede, XP und Achievements. Diese kann man erwerben, wenn man bspw. ein Buch oder zu einem bestimmten Betrag einkauft. dammit! Ich sehe bereits, wie mir das Geld wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt nur damit ich eines der Achievements bekommen kann!

Nebenbei erzählt mir Cherry, dass es neben dem Item Shop noch andere großartige Locations in München gibt. Die Comic Company etwa, die fußläufig in nur zehn Minuten zu erreichen ist. Das seien „super liebe Leute“, deren Laden man nur empfehlen könne. Das ist noch etwas, das die Mädels des Item Shops auszeichnet: Sie wollen zu den anderen Geschäften keine Konkurrenz aufbauen, weshalb sie auch weder Animes, noch Comics oder viel Japanstuff verkaufen. Dafür gäbe es andere Läden. „Wir sind lieber Freunde als Feinde„, meint Cherry.
Nichts anderes würde man von ihr und dem Item Shop erwarten. Der wirkt so offen und herzlich auf einen, dass man verstehen kann, weshalb sich einige Geeks hierher verirren – und auch bleiben.

Weitere Links: Instagram | Blog | Youtube |

Kurzinfo: Adresse: Baaderstr. 1A, 80469 München | Öffnungszeiten: Mo-Sa 12-20 Uhr
Angebot: „Alles, was der Geek- und Fandombereich hergibt und kleine Dinge, die einfach gefallen könnten wie niedliche Sachen“. Von game of Thrones über Sailor Moon bishin zu Fallout und Supernatural.
Events: Viele kleinere Events wie Zeichnertreffs und Werwolf-Abende im Laden selbst. Zusätzlich das Geek Dating. Zu den Events geht’s hier entlang.
Teuerster Loot 
im Sortiment: Fluxkompensator: 399€
Besonders gut verkauft sich aktuell: So breit gefächert und so großes Sortiment, dass es sich gar nicht so genau sagen lässt, verkaufte Vielfalt ist riesig
Skurrilste Begebenheit: Ein Herr in mittelalterlicher Gewandung, der zur Kasse kam, eine Schriftrolle ausrollte und dem Item Shop feierlich die Handelserlaubnis im gesamten Land Münchens erteilte. Als Zeichen der Deal-Besiegelung wurde ein Schwert überreicht. Der gute Herr ward danach nie wieder gesehen. Zumindest nicht in Gewandung. Cherry hat lediglich eine Ahnung, um wen es sich handeln könnte.
Facebook-Präsenz: Aktuell gehalten und kommunikativ. Hier entlang.
Allgemeiner Eindruck: Lockere Atmosphäre, bunt, fröhlich.
Mein persönlicher Tipp: Schnappt euch eine der Loot Bags. Die scheinen immer schnell ausverkauft zu sein.

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8 Kommentare bei “Ein Besuch im Münchner Item Shop

  1. War da auch schon öfters, immer nett dort, gute Auswahl. Das „Forbidden Planet“ Deutschlands 😛 Naja, sehr viel kleiner, aber man nimmt, was man kriegen kann. Wer spontan ein Geburtstagsgeschenk für einen Nerd-Freund braucht, findet da garantiert was.

    • Auf jeden! Da ist für jeden etwas dabei. Ich hatte zuvor den Eindruck, dass es primär süße und pinke Dinge zu kaufen gibt, aber die Auswahl ist dann doch wesentlich mannigfaltiger!

  2. „Nun jedoch sitze ich mit der vom Shop erzählenden Cherry in der Sofaecke und kann den Blick kaum von dem großartigen Stuff wenden, der uns umgibt“ – Du alter Charmeur ;D

  3. Cool. 😀 Ich liebe solche Shops. Schade, München ist zu weit weg für mich. Sollte ich je in der Nähe sein, muss ich da unbedingt hin. Ein bisschen Merch und so geht immer. 😉

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