„Sextypen“ im Rollenspiel

Sex – die bekanntlich schönste Nebensache der Welt. Doch auch im Pen&Paper? Dort, wo man mit ein paar Freunden zusammen am Tisch sitzt, in der einen Hand drölf fancy Würfel und in der anderen ein Glas Cola? Welcher Rollenspieler kennt nicht das verlegene Husten aus der Ecke, sobald es doch zur Annäherung zweier SCs kommt? Dabei steckt in „Rollenspiel“ doch bereits eine gehörige Portion Erotik drin! Und die DSA’sche Meistermaske könnte auch fast auf einer Swingerparty getragen werden!

Die einen spielen es minutiös aus, die anderen blenden vorzeitig ab. Erlaubt ist, was der Gruppe gefällt. Doch fügt sich auch jeder „Rollenspiel“typ gut in diese ein? Zu welchem der Typen gehörst du? [Vorsicht. Text enthält alberne Anspielungen und explizite Worte]

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10 Rollenspieltypen beim Thema: Sex

 

Der Würfel ist sein heiliger Gral, die Zahlen seine Passion. Wozu hat man denn auch seinen Charakterbogen inklusive mühselig gesteigerter Talentwerte? Vom ersten Betörenversuch über die Reiten- oder Kletternprobe beim Besteigen bishin zum Lügenwurf bei vorgetäuschtem Orgasmus: Der Akt wird gewürfelt, vom Anfang bis zum Happy End! Dabei ist es dem Zahlenfetischisten egal, ob das Auswürfeln des Aktes länger dauert als das eines Kampfes gegen eine Horde Orks. Er ist erst befriedigt, sobald der letzte Würfel gefallen und die restlichen Mitspieler eingeschlafen sind!

Zitat: „Ich würfel auf Cumshot! Yes! Critical Hit!“

 

Als Gegenstück zum ersten Typen ist für ihn Immersion A und O. Der Atmosphäriker ist verliebt in die Darstellung seines Charakters – in jeder Hinsicht. In wortreicher Beschreibung ergießt er sich in dem Moment, fühlt sich ein und lebt ihn. Die Augen geschlossen, mit den Händen in beschreibener Ekstase gestikulierend, ist er derart im IC versunken, dass er gar nicht merkt, wie seine Mitspieler inklusive Spielleiter den geordneten Rückzug in die Küche antreten. Möglicherweise zündet er vorher auch ein Räucherstäbchen an und legt eine uralte Kuschelrock-CD auf.

Zitat: „Während ich ihr zärtlich das Höschen von den Schenkeln streife, hauche ich ergeben: Oh Holdeste aller Maiden, ich möchte mich bis in alle Ewigkeit in Euch versenken… Dann knabbere ich zärtlich an.. Leute? Hallo? Wo seid ihr?!“

 

adsiniliya_by_zeitzeugin-d6f90uzTyp 3 spielt grundsätzlich leicht bekleidete, großbusige Frauen, die ob ihrer Sexsucht berühmt und berüchtigt sind. Mit der ihnen innewohnenden Anmut und Grazie umwickeln sie jeden Mann. Wortwörtlich. Völlig unabhängig davon, ob es sich um SC, NSC oder gar den Evil Overlord handelt, werden die armen Gestalten in Ecken, Hinterhöfe und Büsche gezerrt, wo sie gemeinsam Rahjas Freuden erleben. Dabei ist sich Typ 3 der dezenten Übersexualisierung gar nicht bewusst. Warum auch? Denn er weiß genau, wie Frauen ticken! Vielleicht hat er auch zu viele Pornos gesehen. Aber nur ganz vielleicht.

Zitat: „Ich gehe in die Taverne und suche nach dem bestaussehendsten Burschen! Sobald ich ihn gefunden habe, gehe ich auf ihn zu und sage, während ich ihm in den Schritt greife: [Fistelstimme] Oh hallo, wie wär’s mit uns? Keine Sorge, ich koste nichts, ich vögel einfach gerne mit mir völlig Fremden!“

 

Ihr Charakter verliert grundsätzlich sein Hemd oder vergisst zumindest, eines anzuziehen. Mit wehendem Haar – das natürlich trotz widriger Reiseumstände stets frisch gewaschen ist – lehnt er lässig gegen jeden Türrahmen, den er finden kann (was die Städtetour einer Heldentruppe mitunter deutlich verzögern kann). Werte sind Typ 4 nicht so wichtig: Es sei denn, es handelt sich um Charisma und Betören. Und ein bisschen Körperkraft. Aber nicht zu viel! Bodybuilder sind schließlich unsexy! Gekonnt betört er nur die schönsten Frauen, doch wird der eigentliche Sex dabei nicht ausgespielt. Dafür ist Typ 4 danach erst einmal einige Zeit lang nicht ansprechbar, da sie viel zu sehr damit beschäftigt ist, sehnsüchtige Löcher in die Luft zu starren.

Zitat: „Ich presse sie an meine eingeölte Brust und schiebe sie in mein Zelt. – So, macht ihr mal weiter, ich äh… muss mal eben die möglichen Klausurenfragen für nächste Woche in meinem Kopf durchgehen…“

 

Mr. Omnipotent kann alles! Nun, zumindest kann es sein bespielter Charakter. Er legt Wert darauf, dass er das „längste Schwert“ in der Stadt hat, die härtesten Muskeln und die knackigsten Frauen an seiner Seite! Natürlich hat er seinen Charakter in jeder Hinsicht perfektioniert! Ein Amulett, das die Konstitution erhöht? Gekauft! Ein Zauberspruch, der gewisse Körperteile verlängern kann? Gezaubert! Sollte der SL es wagen, auf Betören würfeln zu lassen, verweist er auf seine großartigen Werte und weigert sich hartnäckig so lange, bis der SL schließlich aufgibt und Mr. Omnipotent den „besten Sex, den Aventurien je gesehen hat“ beschreiben lässt. Das allerdings fällt ausnahmsweise kurz aus.

Zitat: „Aus meinem Zelt hört ihr sie schreien: Oooh ja, du bist der Beste! Ich hatte noch nie so einen großen!

 

Nummer 6 ist vermutlich der am häufigsten anzutreffende Typ und besticht durch seine Abstinenz. Weder möchte er mit seinen Charakteren erotische Szenen erleben, noch möchte er ihnen bei seinen Mitspielern beiwohnen. Sex gehört weder auf den Spieltisch, noch darunter! Sollte es doch soweit kommen, schießt sein Blut in den Kopf, nicht in die Genitalien. Er heißt vermutlich Hans-Dieter und sammelt Briefmarken.

Zitat: Müsst ihr das jetzt ausspielen…?

 

Aus seiner Ecke hört man bereits dann ein Kichern, wenn die Helden nur an einem Bordell vorbei gehen. Auf Zweideutigkeiten reitet er so lange herum, bis er lachend selber unter dem Tisch liegt, während die Mitspieler mit keiner Miene zucken. Er liebt Sex – zumindest in der Theorie, denn praktisch hat er noch keine Erfahrungen sammeln können. Dafür schöpft er nun am Spieltisch aus den Vollen – und ist beim Feiern im RL verwundert, wenn die Barkeeperin nicht nach einem Halbsatz mit auf sein Zimmer geht.

Zitat: „Hihi! Sie hat Penis gesagt!“

 

 

paar_by_zeitzeugin-d894md3Selber hat der Voyeur keinerlei Ambitionen, seine Charaktere in erotische Situationen hinein schlittern zu lassen. Dafür jedoch wird er sofort hellwach, sobald sich etwas bei seinen Mitspielern anbahnt. Sofort unterstützt er sie mit mehr oder minder hilfreichen Tipps wie „Im Aventurischen Boten habe ich gelesen, dass es Verhütungsmittel gibt! Also sollte euch das ja jetzt nicht davon abhalten, oder?“ und zeigt sich hochgradig enttäuscht, wenn der SL zur nächsten Szene hin blendet. Man sollte darauf achten, dass seine beiden Hände oberhalb des Tisches sind.

Zitat: „Und weiter?! Was passiert jetzt?! Nene lasst mal ruhig endlich mal Storytelling betreiben, wir metzeln doch sonst nur…“

 

Der Christian Grey unter den Typen und doch noch um einiges härter. Das Wie ist ihm nicht so wichtig, die Hauptsache ist, dass er zeigen kann, was er so drauf hat! Speziell in sozialen Abenteuern ohne Kämpfe ist es ihm wichtig, dass er zumindest in der Horizontalen ein Schlachtfest anrichten kann. Finish her! ist seine Devise und dass er ein großer, schweisstreibender Hengst ist, sollen nicht nur Helden und Mitspieler wissen, sondern auch noch die RL-Nachbarn! Er röhrt, haut auf den Tisch und will am Ende auch noch Massen an XP!

Zitat: „Komm mit, Weib! Wir rammeln bis zum ersten Blut!“

 

Der wahre Meister seines Fachs! Als echter Rollenspieler weiß er alles über seinen Helden: Farbe, Aderverlauf, Länge, Dicke und natürlich auch Vorlieben, die sich der Held im Laufe der durchgeplanten Historie mit seinen 12,5 Exfreundinnen angeeignet hat. Doch nicht nur ist der Hintergrund ausgefuchst und zehnfach vom SL abgesegnet, auch hat der echte Rollenspieler jede Regel, Tabelle und Sonderfertigkeit im Kopf! Sei es, dass er weiß, wie hoch die Trefferwahrscheinlichkeit aus welcher Entfernung ist oder dass er sich eine Tabelle für die Orgasmuswahrscheinlichkeit angelegt hat: Er hat einfach alles. Auch gutes Rollenspiel. So gut, dass er selber gerne mal IC und OOC verwechselt und seine RL-Freundin immer mal wieder Rahjane nennt.



Ich selber bin Typ 6: Der schüchterne Hans-Dieter
. Ich persönlich brauche keinen Sex am Spieltisch. Besonders dann nicht, wenn er einem aufgezwungen wird. Davon abgesehen sind all die Typen hier natürlich überstilisiert und nicht allzu ernst zu nehmen. Insbesondere soll auch noch gesagt sein, dass zwar der Einfachheit halber sprachlich (fast) alle männlich sind, das ganze jedoch auch durchaus auf Spielerinnen zutreffen kann.

Picture by Alessio Albano via Flickr.com under the following creative commons: Attribution-ShareAlike

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2 Kommentare bei “„Sextypen“ im Rollenspiel

  1. Das schlimme mit „Christian Grey“ ist, dass je mehr man sich mit dem Charakter beschäftigt, desto tiefer sind die Abgründe, die sich auftun. Im Buch scheint er so ziemlich alle Ethik-Regeln zu vergessen, die es im Bereich BDSM gibt. Im Film hat er (und da kann ich mich nur auf Hörensagen berufen, weil ich die eigentlich Quelle darüber nicht gesehen habe) anscheinend Sekten-Rekrutierungs-Techniken angewendet, um die gute Anastasia Steele gefügig zu bekommen. (Man könnte der Roman-Trilogie also durchaus auch den Unter-Titel „Die Geschichte einer Vergewalltigung“ geben.)

    Von daher weiß ich nicht, ob das Beispiel so ein besonders sinniges, griffiges Bild ist, das man heranziehen kann. 😉

    • Eben drum finde ich das Beispiel so gut. Der Hack’n’Slayer ist ja kein BDSMler, sondern ein Arschloch. 😉

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