[Comic Tipp] Paper Girls #1

Autor: Brian K. Vaughan | Illustrationen: Jared K. Fletcher, Matthew Wilson | Verlag: Cross Cult | Format: 144 Seiten, Hardcover | Band: 1von X | Bestellen | Leseprobe

Die zwölfjährige Erin ist neu im Zeitungsausträgergewerbe des kleinen Vorortes Stony Stream – und fährt in der Nacht nach Halloween prompt in die kostümierten Fänge von garstigen Halbstarken. Zum Glück sind drei weitere „Paper Girls“ zur Stelle, die ihre neue Kollegin gerne unterstützen. Was ein schön beschaulicher Start in eine seichte Girlie-Coming of Age-Geschichte hätte sein können, entpuppt sich jedoch schon nach wenigen weiteren Panels als etwas ganz anderes. Während man im Hintergrund fast die Akte X Melodie hört, treffen die vier Mädchen auf mysteriöse Vermummte, die nicht nur eines ihrer Walkie-Talkies stehlen, sondern sie auch versehentlich in einen stinkenden Keller mit einer noch mysteriöseren Maschinerie locken. Und die macht Geräusche. Sehr merkwürdige Geräusche.

Kaum aus dem keller ans Nachteslicht gestolpert, stellen wir fest, dass fast jeder Mensch plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist. Und was sind das eigentlich für unfreundliche Monster, die plötzlich durch die Lüfte schwirren und wer ist denn nun der wirkliche Feind? Die drei Vermummten, die entmummt an Quasimodo erinnern und in fremden Zungen reden? Oder doch eher die in blank geputzte Raumanzüge gekleideten Flugsaurierreiter? Und verdammt nochmal, wo haben sie den DeLorean versteckt?!

 

Schon von Beginn an wird klar: Hier haben wir es mit Mädchen zu tun, die sich gut in der Jungsdomäne des Zeitungsaustragens der späten 80er Jahre zu behaupten wissen. Ihre Mundwerke sind ebenso locker wie ihre Fäuste und ihre Wortwahl würde auch einem Biker gut zu Gesicht stehen. Nein, politisch korrekt zeigen sie sich im Großteil nicht, spiegeln damit jedoch gut den damaligen Zeitgeist wider, was in der kleinen Gruppe auch nicht unreflektiert bleibt.

Die ersten Seiten gleichen allerdings einem Kaugummi. Ebenfalls einem aus meiner Kindheit: knallige Farben, kantig, auf jeden Fall dezent zäh. Sobald sich der eigentliche Plot abzeichnet wird jedoch an Fahrt aufgenommen und das Gespinst aus Mysterien rasant gewoben. Nicht alles ist, wie es zunächst erscheint und die vom kalten Krieg verunsicherten Aussagen der Figuren tun ihr Übriges, um die eigentlichen Geschehnisse im Nebel zu halten. Die dargebotenen Hinweise machen Lust auf mehr, Lust, diesen Mysterien auf den Grund zu gehen.

In Paper Girls zeigt sich Vaughans Talent für das Storytelling einmal mehr. Es reicht ihm nicht, nur eine Ebene einzuführen oder allzu flache Charaktere zu beschreiben. Kein Wunder also, dass die Serie auf der letztjährigen San Diego Comic Con den Eisner Award als „Beste neue Serie“ bekommen hat. Sehr verständlich, denn sie ist definitiv vielversprechend und erzählerisch dicht.

Ebenfalls einen Award gewonnen hat Paper Girls Zeichner Cliff Chiang: „Best Penciller/Inker“. meinen Geschmack trifft er allerdings nicht. Die Zeichnungen sind mir zu eindimensional, zu einfach und grob. Gewinnen können sie allerdings durch immer wieder aufflammende Symbolik und ihre Farbgebung. Knallig in zumeist Blau- und Pinktöne gehalten, akzentuiert durch nur wenige Ausreisser unterstreichen die Farben die kraftvolle, dynamische Erzählweise.

Nachdem ich die ersten Zweifel während der ersten Seiten überwunden hatte offenbarte sich mir ein packender Comic, der trotz seines Nostalgiefokus‘ und der jungen Figuren weit mehr ist als ein „Stranger Things“-Klon oder gar eine halbgare Teeniegeschichte. Die Heldinnen müssen über sich hinaus wachsen, doch ob sie es schaffen, wird noch nicht ganz klar. Die Handlung in „Paper Girls“ verspricht unglaublich viel, sodass ich die nächsten Bände kaum noch erwarten kann.

Story:               
Artwork:          
Panel Layout:  
Innovation:       
Phoenixfaktor

Autor: Brian K. Vaughan | Illustrationen: Jared K. Fletcher, Matthew Wilson | Verlag: Cross Cult | Format: 144 Seiten, Hardcover | Band: 1von X | Bestellen | Leseprobe

 

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