[Kolumne] Männer und ihre Rüstungen am Beispiel der World of Warcraft

Auf Zockwork Orange wird nach des Bloggers Gedanken zu Rüstungen in Videospielen gefragt. Waffen, Kriege und somit auch Rüstungen: Genau mein Ding! Deshalb steige ich hier sehr gerne ein und nehme euch mit in meine Gedankenwelt zum schützenden Allerlei in meiner langjährigsten MMORPG-Erfahrung World of Warcraft.

Wenn es um „völlig abgedrehte und unpraktische Rüstungen in Videospielen“ geht fallen einem zuerst Metallbikinis und Kostüme von Frauen ein, die kaum mehr als Nippel und Scham bedecken. Jaja, „Sexualisierung und Sexismus yay!“, wird dann augenverdrehend abgewinkt und im Halbschlaf etwas wie „Aber es ist ja bloß Fantasy“ oder „Frauen sollten die gleichen Rüstungen tragen wie Männer, alles andere ist doch völliger Quatsch³!“ gemurmelt. Red Sonja soll bei diesem Artikel jedoch im Dorf gelassen werden, denn wenn ich an verrückte Rüstungen denke, denke ich an die männlichen Platten von WoW.

Es begab sich zu einer Zeit, in der Klein-Guddy noch kleiner und Videospiele noch verspielter waren. Ihr Krieger setzte erste Schritte auf azeroth’scher Erde und erfreute sich seiner ordinären Lederbekleidung. Die konnte schließlich nur besser werden! Nur noch ein paar Level und er würde Leder gegen glänzende Platte tauschen und endlich heroisch aussehen können! Dass in Azeroth jedoch kein klassischer Krieger-Chic, sondern alberne Designs im Trend liegen, konnte er nicht ahnen!

 

Waffe x Kopfbedeckung = klasse Helm
Schulterschutz x Überdimensionalität = gute Idee
Platte + Stacheln = voll badass
Rüstung – Funktionalität = letzter Schrei
Kämpfer im Eis + Platte = gar nicht kalt
Rüstung + grelle Farben = awesome


Schon bald liefen mir die ersten nur halbbekleideten Krieger entgegen, die dennoch höhere Stats aufweisen konnten als ich. Eine Frechheit! Ja, auch Rüstungen für Männer zeigen mitunter viel Haut – doch ist das so furchtbar schlecht? Aber nein, schließlich handelt es sich hier um ein Spiel, in dem man nicht als Mensch durch das irdische Mittelalter hüpft, sondern mitunter als andersartige Kreaturen in einer Fantasywelt. Wäre jedes Rüstungsteil authentisch, würde die Optik WoWs schnell langweilig werden. Da verschmerze ich grelle Farben, abstruse Designs und nackte Haut gerne – vor allem, da man bestimmte Rüstungsteile wie Helm und neuerdings auch die Schulterpanzerung auch ausblenden kann. Das hilft. Sehr.

Das Level war damals, anno Vanilla, schon allein an der Schulterbekleidung zu erkennen und misst sich an dessen Dimensionalität. Die ersten Schultern noch schmiegen sich zärtlich an die geplagten Schultern, spätere werden bereits größer (was gerne mal ominöse Züge annimmt) und wie man unter den Endschultern nicht zusammenbricht, erschließt sich mir nicht. Aber gut. Ich bin ja auch keine Heldin und muss keine Schulterpanzer tragen. Sie verhindern die Rundumsicht des Kämpfenden enorm, übrigens ebenso wie viele der Helme. Gerade bei Sets wie Tier 1 des Kriegers wundert es mich, dass ihnen beim Kämpfen nicht die Zähne ausgeschlagen werden. Links im obigen Bild zu sehen ist die „Battlegear of Might“, mit dessen helmartigen Gebilde man sicherlich hervorragend in der Nase popeln kann. Leider nur in der eigenen und nicht der des Gegners, sonst könnte man sich wenigstens noch ein paar Schadenspunkte extra erschleichen.

Immerhin: Tier 1 sieht zumindest noch nett aus. Das T2-Set, das man einen Raid später erkämpfen kann, ist dagegen fast peinlich zu tragen. Ich meine: Man trägt Axtschneiden. Als Schultern. Und Irokesen. Dezent strange. Schade, dass man zu T2-Zeiten die Schultern  noch nicht ausblenden konnte.

So oder so: Die Rüstungen in WoW sind nach wie vor nett anzusehen. Manchmal wirklich schön, manchmal beeindruckend und die meiste Zeit wirklich albern. Und das ist gut so. Die Welr Warcrafts ist keine mittelalterliche, ernste Welt, sondern lebt von dem Comicesken und dem Spielerischen. Fantasy > Realismus. Ich mag das. In diesem Fall.

Auch aus diesen Gründen denke ich noch immer gerne an die Zeit als WoW-Krieger zurück und würde es schade finden, wenn plötzlich jeder Krieger von Level 1 bis 1 Millionen die gleiche langweilige, silberne 08/15-Platte tragen würde.

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2 Kommentare bei “[Kolumne] Männer und ihre Rüstungen am Beispiel der World of Warcraft

  1. Ja soll halt gut aussehen und nicht wirklich „funktional“. In Filmen ist das oft ähnlich gerade der Fantasy Bereich übertreibts manchmal find ich GEIL;-)

  2. Ich denke es geht oft auch einfach nur darum, gewisse Dinge zur Schau zu stellen. Sei es der Reichtum im Spiel, oder ein nicht so einfach zu erreichendes Ziel, welches eben nicht jeder (viele würden hier Noobs sagen) erreichen kann.

    Ich Spiele kein WoW, aber Guild Wars 2 und da gibt es schon gewisse Designs, die man überdurchschnittlich häufig an Spielern sieht. Bei der großen Menge vorhander Skins dürfte es aber kaum nur am Look liegen, sondern nicht selten auch an den damit verbundenen Kosten und / oder Aufwand. Einige fühlen sich natürlich viel cooler, wenn sie ein teures Legendäres Großschwert haben, statt dem läppischen Karma-Skin. Optik ist da oft nur zweitrangig.

    Wenn man sich Mal nach Löwenstein stellt und schaut wer da so rumsteht fällt doch auf dass bei einigen der ganze Look nur nach viel Geld und / oder Zeit schreit. Gemshopkram soweit das Auge reicht, Haarfarben für die man Kits braucht (die man nur über etwas Aufwand erspielt bekommt), Skins die viele Erfolgspunkte verlangen, oder viel Ingamewährung verlangen.

    Dabei hat das Spiel ein wunderbares Gaderobensystem, welches es sehr einfach macht Mischrüstungen zu erstellen. Ich selbst habe auf fast allen 17 Charakteren Mischrüstungen mit Skins von superbillig bis superteuer. Ist inzwischen eine schöne Möglichkeit nicht so „alltäglich“ auszusehen. Viele streifen ihren Charakteren ja ein Kleidungsset aus dem Shop über. Davon habe ich sogar auch einige. Aber ich trage sie meist nicht – weil ich diesen trotz Rüstungsvielfalt sehr einheitlichen Look der Leute nicht so schön finde. Man braucht gar nicht lesen oder schauen was neu im Gemshop ist. Sobald es etwas gibt, rennt gefühlt jeder zweite damit rum. Ich habe manchmal das Gefühl, der Titel heißt Clone Wars. 😀

    Zum Glück rennen nicht mehr alle nur in schwarzer oder weißer Kleidung rum – wie es sich in GW anfühlte. Da es in GW2 einige andere sehr teure Farben gibt, sieht man zumindest in der Hinsicht etwas Abwechslung. xD

    Aber irgendwie ist es doch wahnsinn. Da bietet ein Spiel Hunderte Skins und man sieht in erster Linie einige wenige davon. 😮 Dabei ist teuer oder mühsam zu erspielen nicht einmal zwingend ein Garant für optisch ansprechend.

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