[Brettspiel-Review] Starcraft

Verlag: Fantasy Flight Games / Heidelberger Spieleverlag | Spieler: 2-6 | Dauer: 180-240 Minuten | Amazonlink

 

Teile, unendlich viele Teile! Die Spieleverpackung birgt einen kleinen Schatz, der die Herzen von Freunden hübscher Spielfigürchen höher schlagen lässt, sind die unterschiedlichen Einheiten der insgesamt drei wählbaren Fraktionen doch detailverliebt gestaltet. Insgesamt findet man 180 Spielfiguren, Dutzende Markerplättchen, 90 Arbeitermarker, 12 Planetenplättchen und gefühlte drölftausend Karten.

Wenn man ersteinmal alles auf dem Tisch verteilt hat, sieht es aus wie ein unlösbares Puzzle. Das soll man also bespielen können? Man kann! Kaum hat man die Teile auf die maximal sechs Mitspieler verteilt deutet sich so etwas wie ein System zumindest an. Nun braucht man nur noch das 48seitige Regelwerk lesen, verstehen und, ach ja, irgendwie auch im Kopf behalten, will man nicht alle paar Minuten in selbigen blättern. Schon vorab zeigt sich, dass es sich um ein sehr komplexes Spiel handelt.

 

Es ist ein Spiel zum Spiel: Die Brettspielversion des Videogames Starcraft und es wurdepassend adaptiert. Wie im PC Spiel geht es auch hier um Ressourcen, den Ausbau der eigenen Truppen und letztlich die Vorherrschaft über die Planeten sowie die Vernichtung der Gegner.

Man kann zwischen drei bekannten Kulturen wählen: Terraner (Menschen), Zerg („Wurmoide“) und die Protoss. Gespielt haben wir zu fünft, ich selber habe mich mit den Zerg eingedeckt. Logisch.

Parallelen zum Videospiel gibt es einige: Der Ausbau der Gebäude und Einheiten bspw., sowie natürlich den „Bau“ der Truppen, wobei auch hier mit den Zerg Dank geringerer Kosten schneller eine kleine Armee auf die Beine gestellt werden kann, als dies bei den anderen beiden Rassen möglich ist. Es ist ein sehr stark auf Taktik basierendes Spiel Was genau baue ich als nächstes? Lege ich den Fokus auf die Masse an günstigen Einheiten oder die Qualität der teureren? Gehe ich auf Offensive oder Defensive? Und was zum Geier werden meine Gegenspieler wohl als nächstes tun?

Letzteres ist einer der Kniffe hierbei, denn nicht nur die eigene Taktik will wohlüberlegt sein, sondern auch vorausschauend die der Gegner. Denn die Befehlsmarker(Build, Move, Research) , die auf die einzelnen Planeten gelegt werden können, werden in umgekehrter Reihenfolge ausgeführt und können noch dazu von den Gegnern „manipuliert“ bzw. verzögert werden, wenn dieser seinen eigenen Marker auf die der anderen legt – ja, auch das Gedächtnis wird hier mit einbezogen, was bei passionierten Memory-Hassern schonmal für den ein oder anderen Fluch sorgt.

Nun kann man natürlich friedlich seine Gebäude bauen und seine putzigen kleinen Einheiten in Ruhe gebären lassen. Doch da dies natürlich nicht alles sein kann, darf auch der Kampf nicht unerwähnt bleiben! Man fällt – üblicherweise dem Verteidiger natürlich haushoch überlegen – samt Figuren und Kampfkarten in den Planeten ein und schießt wild um sich, respektive wirft dem Mitspieler seine Karten um den Kopf. Neben den Spielen „Risiko“ und „Memory“ mischt sich hier also noch eine kleine Partie „Magic“ unter. Während man seine Mobs hübsch voreinander drapiert hat, fallen dann Sätze wie „Mein Mob hat Kampfkraft 10! Ha!“ „Ja ne Kollege, meiner hat aber, einbezüglich der verbesserten Rüstung und der Alienabwehrmaschine und seiner „pinken Haarsträhne des Grauens“ Verteidigung 11! Tjaha!“ „Ach du schummelst doch!“

Anfangs gehen die Kämpfe schnell vorbei, doch spätestens in der dritten Runde, wenn die Kampftruppen bereits eine lange Damenkloschlange bilden, kann es schon mal ein bisschen dauern.

Gewonnen hat nach einer langen, aber nichtsdestotrotz netten Odyssee der, der entweder sein persönliches Kulturenziel (ähnlich wie bei Risiko, nur dass es hier nach der Rasse festgelegt ist.) oder eine gewisse Punktzahl erreicht hat oder aber natürlich „last man standing“ ist.

 

Hat man sich erst in das für Brettspielverhältnisse gigantische Regelwerk gelesen und sich darauf geeinigt, wer hier die Zerg spielen darf, präsentiert sich hier ein sehr vielschichtiges und gut durchdachtes Abenteuer, das in seiner Komplexität sicherlich seinesgleichen sucht und so schnell nicht findet. Als nachteilig empfand ich, dass die Figuren, allen voran natürlich Lufteinheiten, relativ bruchanfällig wirken. Vorsicht ist hier beim Verpacken oberstes Gebot.

Auch das Regelwerk ist sicher nicht jedermanns Sache und es ist ein Spiel, das wirklich lange dauern kann, gerade wenn man mit vier oder mehr Spielern spielt. Dafür jedoch hat es einen hohen Wiederspielwert, da die Welt jedes Mal anders aussieht und man auch diverse Taktiken oder auch Völker ausprobieren kann. Dies ist definitiv eine gelungene Adaption des Videospielstoffes.

Wer es also zufällig auf dem Flohmarkt, bei Ebay oder einsam auf einer Parkbank sitzen sieht darf ruhigen Gewissens zuschlagen! Leider ist es regulär momentan nur bedingt zu erwerben.

Spielspaß:         

Komplexität:    
Taktik:               
Glück:                
Phoenixfaktor

Verlag: Fantasy Flight Games / Heidelberger Spieleverlag | Spieler: 2-6 | Dauer: 180-240 Minuten | Amazonlink

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