[Comic-Review] Tomboy

Autor: Walter Hill, Matz | Illustrationen: Jef | Verlag: Splitter | Format: 128 Seiten, Hardcover | Band: 1von 1 | Bestellen

Franck führt ein in seinem Maße beschauliches Leben: Gerne mal einen One-Night-Stand, häufig erquickender Alkoholgenuss – und ab und an ein kleiner Auftragsmord. Nein, Franck ist niemand, den man gerne zum Schwiegersohn hätte. Ähnlich sieht das auch eine dezent soziopathische Chirurgin, die mit dem Mord Francks an ihrem Bruder alles andere als einverstanden ist. Sie sinnt nach Rache; einer Rache, die alles Vorstellbare überschreitet. Kurzerhand operiert sie Franck zur Frau um, was wiederum dieser nicht lange auf sich sitzen lassen kann.

Meet „Tomboy“, das blutig-raue Spiel der Rachegelüste!

Rachegeschichten kennt man zur Genüge und auch hier wird man nicht umhin kommen, das ein oder andere Mal plotrelevante Dinge vorauszusehen. Dennoch ist die Prämisse hier natürlich eine andere, die Thematik „Ich bin im falschen Körper“ zumindest neu interpretiert.

Der Einstieg in den Comic gestaltet sich auch ohne Scheinwerferlicht auf diese Problematik als sehr interessant. Zwar ist einem Franck nicht wirklich sympathisch, seine Motive und Gefühle bleiben im Schatten, doch ziehen einen Bilder und Panelgestaltung in ihren Bann. Man merkt, dass hier ein Drehbuch in das Gewand eines Comics transferiert wurde. Oft wird ins Geschehen gezoomt, in die Totale gegangen, mit Perspektiven und Gesichtsausdrücken gespielt. Stimmig fügen sich die selten mit Fotos bespickten Zeichnungen in das Layout ein und akzentuieren mit ihrer rauen Federführung den Charakter der Geschichte.

So schön die Optik auch an den Film Noir erinnert, so dünn ist leider auch der Plot. Man erwartet, dass das Hauptaugenmerk auf Francks Psyche und dem inneren Konflikt liegt, auf den Problemen die der Transformation folgen. Dass die Autoren gekonnt mit der Thematik umgehen und das aus dem Plot kitzeln, das ihn eigentlich einzigartig machen sollte. Leider gelingt das nicht.

Alles ist zu einfach. Die Geschlechtsumwandlung, die wirkt wie durch einen Zauberspruch, in derart perfekter Weiblichkeit erblüht der neue Franck. Die Art, wie Franck seinen neuen Körper akzeptiert. Wie die Umwelt auf ihn reagiert. Es bewegt sich in Belanglosigkeit. Auch die Rache verbleibt in maximal knietiefen Gefilden, bleibt zu flach, als dass man wirklich mit der ein oder anderen Partei mitfiebern könnte. Auch hat es wenig mit „Tomboy“ zu tun, in dem falschen Körper gefangen zu sein.

Obwohl dieser Aspekt eher kläglich wimmert, so habe ich den Comic doch fasziniert gelesen. Das ist primär der bildhaften Dynamik und Erzählweise geschuldet und dem Sog, den diese entfalten.

Wenn man von der Thematik nicht allzu viel erwartet kann man sicher Gefallen an diesem Stück Crime finden. Es liest sich interessant und bietet trotz seines eher dünnen Plots genug Stoff, um den Comic in einem Rutsch durchzulesen. Er ist keine Offenbarung, aber auch längst kein Totalausfall. Wen fiktive Auftragsmörder begeistern und wer auf Sex&Crime steht wird hier seine Freude finden.

Story:               
Artwork:          
Panel Layout:  
Innovation:       
Phoenixfaktor

Autor: Walter Hill, Matz | Illustrationen: Jef | Verlag: Splitter | Format: 128 Seiten, Hardcover | Band: 1von 1 | Bestellen

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