Ist die heutige Gamergeneration entdeckerfaul?

Verzeihung, doch ich werde nun für ein paar Sätze in eine alte-Leute-Sprache verfallen. Und go! Hach, wisst ihr noch, wie’s früher war? Als man ein neues Spiel in den Händen hielt und sich daraufhin stundenlang im Zimmer verbarrikadierte, um das Spiel in all seiner prachtvollen Fülle erleben zu können? Man hat die sich auftuende Welt genossen und entdeckt, man war ein neugieriger Forscher inmitten der pixeligen Weiten. Jedem gefundenen Easter Egg folgte ein kleiner Jubelschrei. Es gab verborgene Orte, versteckte Quests und kauzige Einsiedler, die es zu finden galt. Komplettlösungen kosteten Geld und die Spielezeitschriften zeigten Lösungen meist nicht direkt bei Release. Nicht nur die Story innerhalb des Games war ein Abenteuer, sondern auch das „Erlebnis: Spiel“.

Und heute? Heute steht vieles schon vor Release im Netz. Taktiken für diverse Bossgegner werden in epischer Breite analysiert und es gibt nichts, was man nicht nachschlagen könnte. Geheime Orte wie etwa in Skyrim oder versteckte Quests: Nichts bleibt den findigen Internetzusern verborgen.Noch vor dem offiziellen Release werden Taktiken und zu findende Easter Eggs aufgedeckt. Je schneller etwas gepostet wird, umso besser! Ist das noch Punk Rock Entdeckergeist?

Der Grund, weshalb ich vor einigen Jahren trotz großartiger Gilde mit WoW aufgehört hatte, war unter anderem, dass jede Taktik bei den Bosskämpfen schon sitzen musste, bevor man den (Raid)Boss überhaupt zu Gesicht bekam. Alles wird einem vorgekaut, selber denken und entdecken ist leider nicht angesagt. Bei MMOs kann ich es sogar nachvollziehen: Man ist nicht nur für den eigenen Spaß verantwortlich, sondern auch für den seiner bis zu 39 Mitspieler.

Zurück zu ordinären Videospielen. Zurück zu Easter Eggs, Geheimnissen und Co. Sind heutige Spieler tatsächlich so heiß auf Spoiler? Will man Überraschungen nicht selber erleben? Ich persönlich finde es geil, Tricks und Specials selber herauszufinden. Lieber krepiere ich zehn Mal am selben Boss, als dass ich mir eine Lösung und Taktik dazu um die Ohren haue. Um beim „geil“ zu bleiben: Die Befriedigung ist so ungleich höher. Nach dem Durchspielen gucke ich natürlich, ob und wenn ja, was ich verpasst habe. Zur Not beame ich mich dann auf einen alten Speicherstand zurück, um das Easter Egg nochmal mit eigenen Augen zu sehen.

Natürlich ist heutzutage alles so unendlich leicht zu erreichen. Wenige Klicks entfernt lockt des Rätsels Lösung, warum sollte man da noch groß herum suchen und kostbarste zeit regelrecht verschwenden?! Doch macht dieses Suchen und Raten nicht auch den Reiz aus?

Wie sieht es bei euch aus? Lieber entdecken oder solche Dinge andernorts lesen?

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9 Kommentare bei “Ist die heutige Gamergeneration entdeckerfaul?

  1. Wenn ich jetzt den Link zu dieser einen psychologischen Studie finden würde, die zumindest bei Filmen besagt, dass follgespoilert sein einem sogar letzten Endes dabei hilft den Film besser zu genießen…

    Ich schätze mal, dass diese Idee des „Entdeckergeist“ eventuell auch nur eine andere Idee von elitärem Denken ist. (Wovon ich mich persönlich nach möglichkeit distanzieren will.)

    Spiele sind Unterhaltung, etwas nicht zu finden und von anderen zu hören dass das so oder so sei fällt eher in Frust aus. Von daher bin ich mir nicht so ganz sicher, ob diese omniöse früher wirklich „besser“ war. 😉

    • Boah ich hasse es, gespoilert zu werden! 😀

      Ach ich denke, dass das Geschmacksache ist. Sicherlich darf man es so halten, wie man möchte. Ich persönlich finde es einfach schade und es tangiert mich zumindest im MMO-Bereich ziemlich. Logisch. Da spielen ja alle in einem Boot und man muss sich anpassen, wenn man in der Gruppe bleiben will.

      Aber klar, du sprichst Wahres an!

    • LPs sind für mich noch eine andere Kiste (Unterhaltung nicht des Spiels wegen und/oder Filmersatz) bzw gehören zum Spoilern. 🙂

  2. Spiele sind inzwischen echt Massenware geworden und werden dazu in immer kürzeren Abständen salvenartig über diverse Plattformen in Sales auf die Spieler „geschossen“. Da bleibt für viele einfach keine Zeit für echte Entdeckungen. Habe just gerade den Fall mit Freunden in „Path Of Exile“: Gelevelt wird strikt nach Anleitung aus irgendwelchen Guides, im Spiel wird sich gar nicht die Mühe gemacht, die Maps zu erkunden, da geht es einfach vom Eingang auf dem schnellsten Weg dahin, wo die aktuelle Quest eben erledigt werden kann oder zum Ausgang. Das mache ich nicht so, ich laufe gerne jeden Winkel ab und ich habe meinen Charakter nach eigenem Gutdünken verbessert. Dafür mache ich halt nur (bestenfalls) halb so viel Schaden und bin den einen oder anderen Level hintendran, dafür habe ich aber garantiert mehr vom Spiel gespielt als der Rest. Und das ist mir wichtiger, auch wenn sich die nächsten Spiele schon / noch stapeln. Irgendwann kommt hoffentlich die Rente! 🙂

  3. Ja, ein bisschen wie Fast Food oder der noch im Laufen getrunkene Kaffee. Da fehlt mir persönlich der Genuss. Klasse statt Masse, aber ich selber kann mich da auch nicht ganz lossagen. Es sind wirklich, wie du schon schreibst, einfach so viele Spiele, die man unbedingt spielen möchte, da fehlt neben dem Alltag und andren Hobbies schlichtweg manchmal die zeit.
    Wobei man sich die durchaus nehmen kann. Wenn man will. Muss da selber bewusster werden, zufrieden bin ich natürlich momentan nicht.

  4. Ich gucke keine Let’s Plays und spiele die Spiele liebr selbst. Nur, wenn mich ein Rätsel seit zwei Stunden aufhält, guck ich mal in die Lösung rein…

  5. Hallo Guddy,
    danke für den Artikel. Hat mir gut gefallen. Ich denke in die zunehmende Entdeckerfaulheit spielen viele Faktoren mit rein. Der für mich maßgeblichen Faktor ist jedoch der Spielentwickler. In fast jedem Spiel gibt es Mini Map, Symbole für Questgeber und selbst Bosskämpfe werden strikt gescriptet.
    Während wohl niemand mehr ein The Witcher 3 ohne Minimap spielen möchte – obwohl er es könnte – möchte bei besagtem Bosskampf niemand nach dem Try and Error Prinzip vorgehen, bis er herausgefunden hat wie er zu besiegen ist, wenn es sowieso nur eine einzige Methode gibt. Der Entwickler sorgt für frustfreies Spielen. Da bleibt das Entdeckertum leider auf der Strecke.

    Bis dahin, bleib polygon!

    • Hi
      Danke 🙂

      Spiele wie Witcher und Skyrim spiele ich grundsätzlich ohne Minimap. Ich gucke nie drauf bzw schalte sie wenn möglich aus. Die Gegenden sind so unique, dass man sie irgendwann gut kennenlernt und sich daraufhin kaum noch verläuft. Das fördert schließlich auch die Immersion enorm.

      Aber jeder wie er will, mir ist es wurscht, solange ich noch mein eigenes Spiel bestimmen kann!

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