TT: Lieber besorgter Bürger, Yolocaust und Björn Höcke

[Der ThrowbackThursday ist eine Artikelreihe von uns, in der Postings, Photos oder whatever aus der Vergangenheit wieder ausgegraben werden. Dieses Mal habe ich mich für ein altes Video von mir entschieden, das zwar gänzlich offtopic ist, doch auch nach wie vor aktuell. Leider aktuell. Fried Phoenix ist kein politischer Blog und wird nie einer werden. Dennoch halte ich es für richtig und wichtig, dass solche Themen angesprochen werden. Auch von Geeks, auch auf solch einer Plattform. Es geht uns nunmal alle etwas an.]

Sascha Lobo hat in seiner gestrigen Kolumne „Schauen Sie diese Rede“ viel Wahres gesagt. Spielt nicht die drei Äffchen und verschließt Augen, Ohren und Münder. Seht, was es zu sehen gibt. Es ist alles da. Damit man in dreißig Jahren nicht sagen kann „Aber wer hätte das denn ahnen können…?“ Als Aufhänger dient ihm die Rede des AfD-Recken Björn Höcke, die dieser am Dienstag gehalten hat.

Nun fragt man sich vielleicht: Weshalb sollte man sich so etwas ansehen? Weshalb sollte man Höckes Worte verbreiten, ihn bekannter machen? – Um es zu sehen. Um darüber sprechen zu können. „Kenne deinen Feind“. Oder besser: Dialoge können Augen öffnen. Das Schweigen nicht.

Ein Gedankenexperiment: Wenn sich einhundert Menschen versammeln, und ein paar sind darunter, die murmeln Nazi-Zeug – das macht die restlichen 95 nicht zu Nazis. Aber wenn diese paar zum Beispiel anfangen würden, sichtbar Hakenkreuz-Fahnen zu hissen, dann kommt ein essenzieller Moment: Wie gehen die 95 mit den fünfen um? (…) Und es gibt einen Moment, da wird Schweigen zur Zustimmung. Als würde man ohne Protest einer Fahne hinterherlaufen. – Sascha Lobo

Dazu passen mag Shahak Shapiras kritische Projekt „Yolocaust“, das er Höcke gewidmet hat. Jener solle reflektieren, was er über die Erinnerungskultur in Dresden gesagt habe. Generell sollte man nachdenken, was man da tut. Shapira bearbeitet in seiner Bildserie Selfies, die am Holocaust-Mahnmal in Berlin geschossen wurden und fügt Archivbilder aus Vernichtungslager in die Hintergründe ein.

Zuletzt hier nochmal mein altes Statement.

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2 Comments

  • Die eskapistischen Links der Woche – Ausgabe 3/2017 – nerdlicht.net 20. Januar 2017 at 13:18

    […] wir diese neue Kategorie mit ein paar angemessenen Worten der Zeitzeugin bei Fried Phoenix zu einer unsäglichen Rede im Speziellen und gewissen gesellschaftlichen Entwicklungen im Allgemeinen. Ja, auch wir Geeks und […]

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  • #wirschreibenDemokratie - Fried Phoenix 26. September 2017 at 19:20

    […] Schweigen kann eine stille Zustimmung sein. Dabei sind wir sonst so laut: Schreien auf, wenn uns die Neuinterpretation eines uralten Franchises nicht in den Kram passt. Krähen es in die Welt hinaus, wenn eine Figur in der Verfilmung anders aussieht als wir es uns vorgestellt haben. Empören uns, wenn ein Trailer zu viel zeigt. Oder wahlweise zu wenig. Die Zeit, laut zu werden, ist jedoch jetzt. Der Ort ist nicht das Fiktionale. Sondern die Realität. […]

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