AT: Wann ist ein Geek ein Geek?

[Der Archaeology-Thursday ist eine Artikelreihe von uns, in der Postings, Photos oder whatever aus der Vergangenheit wieder ausgegraben werden. Dieses Mal habe ich mich gleich für einen alten Text von mir entschieden, der sich mit dem Geeksein an sich befasst und der zuerst auf Zeitzeugin.net zu lesen war. Hier und heute passt es wunderbar, da ich somit für Fried Phoenix direkt eine Meinung bezüglich des auch von uns vielgenutzten Begriffes „Geek“ loswerden und es näher definieren kann. Natürlich habe ich ihn ein wenig umformuliert. Ein wenig Arbeit muss ja sein!]

Häufig lese ich in in den Weiten des Internets Aussagen wie „Du bist kein Geek, denn du kennst Person XY nicht“ oder „Ich bin mehr Geek als wie du, denn ich kenne mich mit Pokémon/Star Wars/den Topflappen meiner Nachbarn besser aus“. Nur – ist das so? Ist man „mehr Geek“ als andere, weil man sich in einem bestimmten Bereich besser auskennt? Schlimmer noch,  kann einem das Geeksein abgesprochen werden, wenn man eine bestimmte Person des Geekdoms nicht kennt oder eine bestimmte Serie nicht gesehen hat, es vielleicht auch gar nicht erst vorhat?

Die Definition eines Geeks, wie sie oben bereits im Header steht, ist ziemlich weit gefasst und auch andernorts hört man, wie bspw. hier vom GeekDad vorgetragen, ziemlich legere Auslegungen des Begriffes: Ein Mensch, der mit Leidenschaft eine bestimmte Sache verfolgt, in ihr aufgeht und sich mit Begeisterung dafür interessiert. Ob das jetzt jeder Schnipsel von Star Wars oder besagte Topflappen zweifelhafter Personen sind – das scheint zunächst egal. Ich persönlich lege bei der Definition eines „Geeks“ Wert auf die Genres der Interessen dieser Person: Fantasy, Science-Fiction, Horror, in Ansätzen Animation und Retro im weitesten Sinne, was auch bspw. Mein kleines Pony miteinschließt.

Die Frage ist allerdings auch: Wann brauche ich eine genaue Definition? Doch nur, wenn das Gespräch dieser genauen – und dezent subjektiven – Information bedarf. Wenn nun jemand in einem Gespräch einwirft, ein GZSZ-Geek zu sein, werde ich nicht im Zeitlupentempo dazwischen springen und mir, von einem „Nooooooo!“ begleitet, das Herz aus der Brust reissen. Das ist, als würde ich darüber streiten, ob ein Grün nun #3F5D27 oder #374B26 ist. Ganz davon abgesehen, dass die Definition je nach Sender eine andere sein kann, die Sache also verschwimmt.

Ich brauche die Definitiv bspw., um mitteilen zu können, worüber ich gerade spreche oder wovon dieser Blog handelt. „Wir schreiben über Geekstuff“. Das ist kurz, das ist in seiner Weitläufigkeit erschreckend präzise und die meisten wissen, wovon ich spreche.

„Geek“ scheint in der „Szene“ manchmal allerdings direkt vom Wort „cool“ abgeleitet zu sein. Der Satz „Ich bin ein Geek“ outet einen nicht mehr, er ehrt. Man ist als Geek sofort in der großen Happyfamilie des Geektums eingeheiratet worden. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde eine Frau, sobald sie ein Star Wars Shirt trug, auf Händen getragen. „Wuhuu, ein Geekgirl! Wie awesome!!!11 <3 “ Zum Glück lese ich das in diversen Kommentarbereichen immer seltener.

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Gibt es einen inoffiziellen Geekkodex? Gibt es Leute, die eine imaginäre Liste führen, auf die sie bei jeder Neubekanntschaft Dinge abhaken wie „Guckt täglich mindestens drei Episoden Doctor Who“ oder „Schläft in einem Joss Whedon – Schlafanzug“. Scheint manchmal so und es stört mich sehr. Ich glaube, dass ich selber auf der Geekskala relativ weit oben stehe. Rein vom Gefühl her, denn möglicherweise würde ich bei Tests wie „Wie hieß der Schauspieler des Kellners aus der dritten Episode der zweiten Sherlock-Staffel“ abstinken. Möglicherweise? Ganz sicher! Die Namen von irgendwelchen Schauspielern sind mir nämlich unfassbar egal! Sherlock, btw.: vor zwei, drei Monaten hat mich wirklich jemand, als ich naiv vor mir her sagte: „Nö, habe noch nie Sherlock gesehen, tüdelü :)“ mehr als nur schräg angesehen und mich fassungslos gefragt, ob ich denn noch alle Latten im Zaun habe. Schließlich, so seine Meinung, sei das doch ein MUSS bei einem Geek und wenn man das nicht mag oder gar kennt, könne man kein richtiger Geek sein. Wait. Sherlock? Seriously?

Nein, ich kenne nicht jedes Videospiel, nicht jede Romanfigur und nicht jeden Regisseur. Ich verbringe nicht 24 Stunden am Tag mit dem Lesen von Comics und selbst wenn ich es täte, würde ich mir nebenher keine Vokabelliste schreiben. In vielen Bereichen kenne ich mich zwar verdammt gut aus – aber nicht in jedem einzelnen. Wartet jedoch ab, bis ich erstmal in Rente gehe und mehr Zeit zum Lesen und Konsumieren habe, haHA!

 

Ich der festen Überzeugung, dass die Leidenschaft einen zum Geek macht. Nicht die Punkte in einem Game of Thrones- Quiz oder die Anzahl der Bücher im Regal. Wenn man für ein Thema brennt, es verinnerlicht – und daher auch automatisch natürlich mehr über diesen Bereich weiß. Oder, anders gesagt: Man muss nicht in die Kirche gehen, um gläubig zu sein.

Je mehr Serien der Genres man kennt, je mehr man mit den Charakteren mitfiebert oder Comics gelesen hat, desto tiefer steckt man aber natürlich in der Materie drin. Sicher gibt es bestimmte Dinge, die ich so großartig finde, dass ich sie weiterverbreiten will und sie anderen Menschen unbedingt ans Herz lege. Die ursprünglichen Turtles, etwa. Star Trek, natürlich. Klassiker.  Aber ich persönlich werde nie jemandem, der beispielsweise den ursprünglichen Namen Wonder Womans nicht kennt, das Geeksein absprechen.

Ein Geek ist man schließlich im Herzen. Darauf einen Rylothan yurp!

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6 Kommentare bei “AT: Wann ist ein Geek ein Geek?

  1. Ich bezeichne mich nur ungern als Geek, weil ich nicht zu den Leuten gehöre die 24/7 MMORPGS zocken, alle Star Trek Folgen auswendig können, Actionfiguren mit Plastikverpackungen sammeln und alle Stats von ihren Rollenspielcharakteren kennen. Leider hat man bei vielen Menschen das Gefühl, dass sie mit Geeks diejenigen Leute meinen, die nichts anderes tun. Und leider gibt es auch eine Vielzahl Geeks, die das Klischee bestätigen… Wenn es nur darum geht sich in speziellen Dingen gut auszukennen, bin ich definitiv ein Geek 😉

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